Advent – Zeit der Hoffnung

Liebe Leserin, lieber Leser,

5.56 Uhr fährt der Bus. Der Mond scheint und taucht das Wartehäuschen in silbernes Licht. Die Kälte ist klar. Ich bin nicht allein. Mit mir wartet noch einer.

Die Lichter kündigen den Bus an, ich nehme meine Tasche und steige ein. Wir sind zwölf – erstaunlich viele um diese Zeit. Wohin die anderen wohl fahren?

Wir fahren durch die langsam erwachenden Straßen der Stadt. Noch scheint das Licht durch die Vorhänge. Eltern und Kinder, die früh losmüssen, stehen jetzt langsam auf. Warme Küchenlampen versprechen Kakao und Kaffee.

Am Bahnhof angekommen – noch mehr Menschen. Ein gut gelaunter Bäcker und ein warmer Tee – wie gut das tut. Das Lächeln und die Wärme. Ich gehe zum Bahnsteig. Dort flüchten sich viele vom kalten Bahnsteig über den kurzen Draht ihres Mobiltelefons in alle Welt. Telefonieren mit Freund*innen, mit den Eltern und mit den Kindern, die gerade allein den Weg zur Schule nehmen müssen. So früh am Morgen gibt es offensichtlich wenig Streit, das, was ich höre, sind liebevolle Worte. Fürsorglich und tröstend. Bewegend.

Ich merke, wir alle sind auf dem Weg, unterwegs durch unsere Leben, vielleicht getrieben von der Sehnsucht nach einem „besser“ oder „einfacher“. Manche müde bis auf die Knochen und erschöpft. Manche im Trott und ich fürchte: viele ohne Aussicht.

Worauf freuen wir uns? Auf den einen ruhigen Abend zuhause? Darauf, dass die Wäsche gemacht und die Wohnung sauber ist? Auf den Weihnachtsmarkt, das Konzert, den Urlaub? Ob es so etwas wie „Glück fürs ganze Jahr“ gibt? So als Abo wie Netflix oder Spotify?

Trübe Gedanken für den Advent, meinen Sie? Ich bin Mensch unter Menschen auf der Straße, im Bus, am Bahnsteig, auf dem Westenhellweg, hinter der Thier-Galerie. Ich sehe die Schwierigkeiten und kenne sie wie gute alte Bekannte.

Was hilft? Geschenkte Momente, Texte und Lieder, die Licht ins Dunkel bringen. Eines stammt von Eugen Eckert, Seelsorger in Frankfurt a.M.: Der Müden Kraft, der Blinden Licht … das wird, das kommt, ich weiß. Das Lied, im Internet finden sich das Video, treibt mir Tränen in die Augen, weil es die Not nicht kleinredet, sondern ihr eine Aussicht zeigt und sagt: die Welt ist anders gedacht. Im Stall das Kind nimmt wahr, hört zu, tröstet, heilt – nicht eine ferne Welt, sondern uns, genauso wie wir sind.

Ich gehe ins Nachbarbüro und da sehe ich es: Dieses Bild, den Engel, der mein Dortmund meint. Hoffnung.

Ihre Leonie Grüning,

Ständig Stellvertretende Superintendentin des

Ev. Kirchenkreis Dortmund