Krippe zum Anfassen
Heiligabend ist zwar ein Arbeitstag, aber trotzdem immer etwas ganz Besonderes! Sein achtes Weihnachtsfest verbringt Thomas Böhmert nun schon in der St. Petri-Nicolai-Kirchengemeinde. Eine „Stille Nacht“ hat der Gemeindepfarrer natürlich ebenso wenig wie die Kolleginnen und Kollegen in den insgesamt 28 evangelischen Gemeinden in Dortmund, Lünen und Selm. Ganz besonders freut sich der sympathische Theologe auf den ersten Gottesdienst am 24. Dezember, denn dann gehört die Nicolaikirche den ganz Kleinen … „Der Familiengottesdienst ist immer gut besucht und wuselig – und für ganz kleine Kinder vielleicht auch ein bisschen zu lang“ beschreibt Thomas Böhmert, warum die Gemeinde gemeinsam mit dem Familienzentrum St. Nicolai auf den Gedanken kam, schon um 14 Uhr einen „Gottesdienst für Kita-Kinder“ anzubieten. Ira Kersebaum, die engagierte Leiterin des Familienzentrums an der Lindemannstraße, bereitet diesen Gottesdienst mit ihrem Team vor; die Kita-Kinder singen Lieder oder schmücken den Tannenbaum. „Im vergangenen Jahr haben sie sogar ein Krippenspiel aufgeführt“, erinnert sich Böhmert, der zwar keine lange Predigt, aber „Weihnachtsworte“ beisteuert. Besonders beliebt ist bei den Jüngsten die große Krippe mit Holzfiguren, die man auch anfassen darf – geschaffen von der Dortmunder Bildhauerin Katharina Bock. Etwa eine halbe Stunde dauert der Gottesdienst – und während die Jungen und Mädchen danach aufgeregt nach Hause und zur Bescherung eilen, bereitet sich Thomas Böhmert auf die weiteren Gottesdienste des Tages vor. Ein fast normaler Arbeitstag eben …
Feierliche Stimmung, festliche Tafel
„In unserer Demenz-Wohngemeinschaft leben aktuell zehn Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. An Heiligabend werden einige von ihnen abgeholt und verbringen ein paar besinnliche Stunden im Kreis ihrer Familien. Die anderen Bewohnerinnen und Bewohner bekommen am Nachmittag viel Besuch, danach feiern wir unsere kleine WG-Bescherung, bevor wir gemeinsam Abendessen. Unsere Haushaltskräfte bereiten etwas Leckeres, häufig kochen die Familien auch zu Hause vor, es wird also eine große, festliche Tafel. Wir geben alle gemeinsam unser Bestes, damit die Stimmung feierlich ist, jedoch ohne zu übertreiben, damit jeder nach individueller Möglichkeit und Tagesform eine gute Zeit in der Gemeinschaft verbringt, bevor sich dann alle müde und satt zurückziehen. Wer dann noch fit ist, schaut mit uns einen Weihnachtsfilm“. Pflegefachkraft Jennifer Grau leitet seit 2020 die Demenz-Wohngemeinschaft Meuselwitzstraße der Diakonie in Dortmund-Scharnhorst.
Ohne Musik geht nichts
Ein arbeitsfreies Weihnachtsfest? Das hatte Kantor Christian Drengk nur zweimal in seinem Leben. Im Coronajahr 2020, als alle Gottesdienste ausfallen mussten. Und 2012: „Da waren wir eingeschneit“. Ansonsten verbringt der Chefmusiker der Stadtkirche St. Reinoldi viele Stunden der Weihnachtstage in „seiner“ Kirche – was er durchaus genießt. „Mein Vater war Kantor in Weimar, ich kenne es also eigentlich gar nicht anders. Außerdem ist die Stimmung immer eine besondere.“ Die arbeitsintensivste Zeit des Jahres beginnt für den Chorleiter direkt nach den Herbstferien. „Dann stehen eine Menge Proben auf dem Programm, denn Chöre und Bläser üben ja nicht nur für die Gottesdienste, sondern auch für besondere Konzerte.“ Er selbst begleitet zahlreiche Veranstaltungen an der Orgel – oder am Dirigentenpult. Der musikalische Ablauf für die Weihnachtsgottesdienste steht schon Mitte Dezember, denn spätestens dann gehen die Liedzettel in Druck. Wie in anderen Kirchengemeinden auch begrüßen die Mitarbeitenden am Ostenhellweg am Heiligen Abend viele Menschen, die nicht unbedingt zur Kerngemeinde zählen. „Ich empfinde das als Chance: Wir können mit dieser besonderen Mischung aus Traditionellem und einigen besonderen Liedern die Menschen in einer meist emotionalen Stimmung erreichen. Wenn sie dann mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, haben wir einen guten Job gemacht.“
Wichtiger Anker in der Weihnachtszeit
Alle Jahre wieder: Die Diakonie ist für wohnungslose Menschen in Dortmund ein ganz wichtiger Anker zur Weihnachtszeit. Gut 150 Gäste erwartet die Wohnungslosenhilfe am Heiligen Abend zur Dortmunder Weihnachtsfeier für wohnungslose Menschen. Die jährliche Feier wird mithilfe von rund 30 Ehrenamtlichen durchgeführt und findet am 24. Dezember 2024 im Reinoldinum am Schwanenwall statt. Das Fest beginnt um 17 Uhr bei Kaffee und Kuchen. Die Andacht zum Heiligen Abend hält Diakonie-Geschäftsführer Pfarrer Niels Back, zwischendurch gibt es mit Instrumenten begleitete Weihnachtslieder. Am Ende werden wieder Weihnachtstüten mit zahlreichen Sachgütern ausgegeben, darunter Süßigkeiten, Hygieneprodukte und weitere nützliche Geschenke. Ermöglicht wird die Heiligabendfeier wieder durch zahlreiche Einzelspenden, engagierte Privatpersonen und Unternehmen sowie das Engagement der Menschen, die hier ihren Heiligen Abend verbringen, um die Gäste zu bedienen.
Zusammenhalt und Gemeinschaft
Erfahrungen mit dem Heiligenabend sind in dieser Jugend-WG überschaubar: 16 Jugendliche und junge Erwachsene, vornehmlich aus Syrien, wohnen in der sogenannten umA-WG (Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Ausländer) der Diakonie in Hörde. Sie sind zwischen 14 und 19 Jahre alt, sie lernen Deutsch, sie gehen zur Schule, werfen Körbe, spielen Fußball, treffen sich mit Freunden. Doch ein christliches Weihnachtsfest kennen sie meist nur aus dem Fernsehen. Gefeiert wird trotzdem: „Wir schmücken gemeinsam ein wenig das Haus und essen am großen Tisch. Hier werden deutsche Gerichte und Speisen aus dem arabischen Raum auch mal vermischt“, erklärt Erziehungsleiterin Anika Berger und betont: „Natürlich verlieren wir die individuellen Bräuche und Traditionen unserer Bewohner nicht aus dem Auge, aber viele von ihnen schätzen natürlich den Zusammenhalt und die Gemeinschaft in der Gruppe, sie sind offen für Neues und wollen natürlich auch kulturell viel über ihre neue Heimat lernen. Deswegen freuen wir uns auch hier auf einen besinnlichen Heiligabend. Auch wenn es danach noch an die Playstation oder den Kickertisch geht – aber das passiert in deutschen Familien ja auch.“
Weihnachten im Krankenhaus
Rippenbruch, Schlaganfall oder Krebserkrankung kommen nie zur rechten Zeit. Gibt es eine Diagnose im Dezember, stellt sich natürlich die Frage, ob man die Feiertage im Krankenhaus verbringen wird oder nach Hause „darf“. Das gilt auch für die Patientinnen und Patienten des Knappschaftskrankenhauses Lütgendortmund, in dem Michael Bahrenberg als Seelsorger für den Evangelischen Kirchenkreis arbeitet. Allerdings gibt es gerade in der Geriatrie und in der Psychiatrie leider immer auch Menschen, die aus medizinischen Gründen über die Feiertage nicht entlassen werden können. Gemeinsam mit Therapeut*innen, dem Pflegepersonal und auch den Ärztinnen und Ärzten versucht der Theologe aus gutem Grund, schon im Advent eine angenehme Atmosphäre auf den Stationen zu schaffen. So schlüpft er seit seinem Dienstantritt vor drei Jahren im Dezember oft in ein Nikolauskostüm und besucht die Menschen auf den Stationen. „Es ist faszinierend, was dann passiert“, erinnert sich Michael Bahrenberg an manche berührende und auch überraschende Begegnungen – und freut sich schon auf seine diesjährige Tour. Seit einiger Zeit gibt es bei uns einen Projektchor, in dem Therapeut*innen, Ärzt*innen und Mitarbeitende aus dem Pflegebereich singen“, erzählt Michael Bahrenberg. Dieser Chor wird zur Weihnachtszeit über die geschmückten Stationen gehen und für die Patient*innen singen. „Mit Musik holt man die Leute gut ab, das funktioniert sogar bei Menschen mit einer dementiellen Veränderung oder einer psychiatrischen Erkrankung.“