Weltflüchtlingstag: Das Sterben hört nicht auf

27.05.2026

Vielfältige Veranstaltungen rund um die Reinoldikirche erinnern auch in diesem Jahr wieder an die Toten an Europas Grenzen

Rund um den Weltflüchtlingstag am 20. Juni wird Dortmund erneut zu einem Ort des Erinnerns, Mahnens und der Begegnung: Vom 9. bis 26. Juni 2026 laden zahlreiche Initiativen, kirchliche Einrichtungen und zivilgesellschaftliche Gruppen zu einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm in und um die Stadtkirche St. Reinoldi ein.

Zentral ist dabei die Aktion „Beim Namen nennen – Zum Gedenken und gegen das Vergessen“, die an die inzwischen über 72.000 Menschen erinnert, die an den Grenzen Europas gestorben sind. Ziel ist es, den Opfern ihre Namen und ihre Würde zurückzugeben und zugleich auf die fortbestehenden humanitären Missstände aufmerksam zu machen.

„Die Zahl der Toten steigt stetig weiter“, beobachtet Susanne Karmeier, Pfarrerin an St. Reinoldi und wie schon in den Vorjahren die treibende Kraft hinter dem stetig wachsenden Programm. „Umso wichtiger ist es uns, auch in diesem Jahr wieder ein Zeichen zu setzen.“

„Wir erinnern an Männer, Frauen und Kinder, die auf der Flucht sterben – oft namenlos und unbeachtet“, heißt es im Aufruf der Veranstalter. Gleichzeitig wolle man für die Einhaltung der Menschenrechte und das Recht auf Asyl eintreten sowie Räume für Information, Austausch und Begegnung schaffen.

Im Mittelpunkt stehen eindrückliche Beteiligungsformate: Beim Namen-Schreiben entstehen zwischen Mittwoch, 17. Juni, und Sonntag, 21. Juni, jeweils von 18 bis 18 Uhr vor und in der Reinoldikirche wieder Stoffstreifen mit den Namen Verstorbener, die zum „Mahnmal der Menschenwürde“ zusammengeführt werden. Beim 24-stündigen Namen-Lesen (Samstag, 20. Juni, 11:30 bis Sonntag, 21. Juni, 11:30 Uhr) werden ihre Geschichten in der offenen Reinoldikirche hörbar gemacht – begleitet von musikalischen Beiträgen zur vollen Stunde. Ergänzt wird dies – wie schon in den Vorjahren – durch eine Mahnwache am Samstag, 20. Juni, zwischen 12 Uhr und 12:30 Uhr im Rahmen des „Circle of Silence“ vor der Reinoldikirche.

Das umfangreiche Programm umfasst darüber hinaus Ausstellungen, Vorträge, Filme, Musikveranstaltungen, Gottesdienste sowie interaktive Formate, die sich mit Flucht, Migration und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzen.

Zahlreiche Organisationen aus Kirche, Sozialarbeit und Zivilgesellschaft tragen die Veranstaltungsreihe gemeinsam. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei, Spenden unterstützen Hilfsprojekte für Geflüchtete.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Aktionen finden Sie unter

Mehr aus dem Programm in Dortmund zum Weltflüchtlingstag

Ausstellung: Integration trifft Inspiration

Starke Frauen erzählen ihre Geschichten

Die Ausstellung „Integration trifft Inspiration – Frauen, die was schaffen“ ist vom 9. bis 20. Juni während der Offenen Kirche (Dienstag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr) in der Stadtkirche St. Petri, Petrikirchhof in Dortmund, zu sehen.

Sie porträtiert zehn Frauen, die ihre Heimat verlassen mussten und sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut haben. Fotografien und persönliche Geschichten zeigen Mut, Stärke und die Vielfalt gelingender Integration.

Interaktiver Escape Room: Flucht erfahrbar machen

Perspektivwechsel unter Zeitdruck

Der Escape Room „UNbekanntes UNbehagen“ macht das Ankommen in einem fremden Land erlebbar – vom 13. bis 26. Juni am Schwanenwall.

Teilnehmende durchlaufen Stationen wie Registrierung und Unterkunft und erleben spielerisch, wie sich Orientierungslosigkeit und Unsicherheit anfühlen können. Das Angebot richtet sich an Menschen ab 14 Jahren und lädt dazu ein, die eigene Perspektive zu hinterfragen.

Zeitslots können zwischen 11 und 13 Uhr, 14 und 16 Uhr sowie 17 und 19 Uhr gebucht werden.

Kultureller Abend: Film, Diskussion und Musik zu Flucht und Identität

Zwei Veranstaltungen setzen Impulse für gesellschaftlichen Dialog

Gleich zwei besondere Kulturformate widmen sich den Themen Migration, Identität und gesellschaftlicher Zusammenhalt:

Den Auftakt bildet am 25. Juni im Dietrich-Keuning-Haus (Leopoldstraße 50) die Veranstaltung „Kulturell leben: Kein Land für Niemand“. Gezeigt wird um 19 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) ein Dokumentarfilm über den politischen Umgang mit Migration in Deutschland, gefolgt von einem Gespräch mit den Filmemachern sowie dem Soziologen Aladin El-Mafaalani. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Solidarität, Verantwortung und den Auswirkungen eines zunehmend restriktiven Kurses in der Migrationspolitik.

Am 26. Juni lädt das domicil (Hansastraße 7–11) ab 18:30 Uhr unter dem Titel „ID-entity: Auf der anderen Seite ankommen“ zu einem vielseitigen Abend ein. Kurzfilme, Gespräche mit Filmschaffenden und Musik verbinden persönliche Fluchtgeschichten mit künstlerischen Ausdrucksformen. Die Beiträge beleuchten Themen wie Identität, Zugehörigkeit und Ankommen aus unterschiedlichen Perspektiven. Den Abschluss bildet eine „Diaspora Disco“ mit DJ Ipek (ab 21:30 Uhr), die Raum für Begegnung und gemeinsames Feiern schafft.

Alle Veranstaltungen sind eintrittsfrei. Die Veranstalter freuen sich aber über Spenden.

Organisation von „Beim Namen nennen“ in Dortmund

CJD-Standort Zeche Germania BVB / Maßnahme Schwerpunkt Holzwerken, Diakonie Dortmund und Lünen, Dietrich-Keuning-Haus, DRK-Kreisverband Dortmund e. V., Ev. Kirchenkreis Dortmund: Referat Ökumene / Referat Gesellschaftliche Verantwortung / Schulreferat / Ev. Stadtkirche St. Reinoldi / Ev. Stadtkirche Sankt Petri, Flüchtlingshilfe im Stadtbezirk Aplerbeck e. V., Flüchtlingspaten Dortmund e. V., Grenzenlose Wärme e. V., Migrantinnenverein Dortmund e. V., Sophia e. V., TermitenBau/Staffan Gettys, Train of Hope Dortmund e. V., VMDO Verbund der sozial‑kulturellen Migrantenvereine in Dortmund e. V., privat Engagierte.