Hoffnung und Hilfe, die ankommt

30.09.2026

Seit 25 Jahren macht das Aplerbecker Bistro Karibu die Welt gerechter

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Kann man mit Pfannengemüse und Kartoffelgerichten die Welt retten? Welche Wirkung hat ein vegetarisches Reisgericht? Und macht ein kleines Bistro in Dortmund-Aplerbeck einen Unterschied?

Alle vier Wochen, immer am letzten Freitag des Monats, verwandelt sich der Gemeindesaal der Evangelischen Georgs-Kirchengemeinde ins Bistro Karibu. Dann duftet es nach afrikanischen, persischen oder arabischen Gewürzen, die Tische sind liebevoll eingedeckt, sechs Generationen Ehrenamtlicher zwischen 14 und 80 Jahren schnippeln Gemüse, braten vegetarische und fleischhaltige Gerichte, servieren gut gelaunt schmackhaftes Essen aus fairer Produktion und fairem Handel. Und mit jedem Teller, der aus der Küche kommt, machen sie die Welt ein kleines bisschen besser. Und das seit 25 Jahren. Ein Grund zum Feiern.

Was 25 Jahre Engagement bewirken

Mit leiser Stimme und gewohnt nachdenklich steht Allmut Vierling auf der Bühne. Fast beiläufig zählt sie auf, was die Erlöse aus Weltladen und Bistro Karibu im Laufe der Jahre bewirkt haben: Ziegen- und Bienenprojekte, die Familien neue Einkommensmöglichkeiten eröffnen. Boote, die Frauen zu Fischerinnen und damit wirtschaftlich unabhängiger machen. 16 Generatoren, die Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen in der Ukraine mit Notstrom versorgen. Wasserhäuser, Schultoiletten und Regenwassertanks. Mehr als 12.000 Menschen in der Region Bondo in Kenia haben heute Zugang zu sauberem Trinkwasser, weil die Partner des Bistros Karibu dort insgesamt 39 Regenwassertanks errichten konnten. Allmut Vierling blickt in die Runde. Sie bedankt sich bei den Gästen, den Unterstützenden und den vielen Ehrenamtlichen. „Ohne dieses Bistro wäre das alles nicht passiert.“

Zwei Menschen als treibende Kraft

Ein Projekt dieser Größenordnung braucht einen Motor. Dieses hier hat zwei. Dass das Bistro Karibu seit einem Vierteljahrhundert Monat für Monat seine Türen öffnet, liegt vor allem an Christoph und Allmut Vierling. Gemeinsam mit ihrem Sohn Jens sowie vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern haben sie eine Idee zu einer Institution gemacht, die weit über Aplerbeck hinaus wirkt. Eine Institution, die Menschen zusammenbringt, Genießer*innen ebenso wie Engagierte, Stammgäste ebenso wie Neugierige.

Begeisterung auch bei neuen Gästen

Wie Regina Straß und Gabi Möller. Die beiden sind an diesem Abend zum ersten Mal dabei. Eigentlich wollen sie nur nebenan in der Kirche ein Konzert besuchen. Weil sie in der Nachbarschaft wohnen, entscheiden sie spontan, vorher noch im Bistro einzukehren. „Wir sind total begeistert“, sagen sie. „Das Essen war super lecker und alles ist sehr liebevoll gemacht hier. Wir kommen bestimmt wieder.“

Sichtbare Wirkung auf Stellwänden

Wer an diesem Abend durch den Saal geht, begegnet der Geschichte des Bistros auf Stellwänden. Hier wird sichtbar, was aus unzähligen Tellern Lahmacun, Börek, Reisgerichten, Salaten und Suppen entstanden ist. Fotos zeigen Jugendliche in HIV/AIDS-Workshops, Gesundheitsgruppen unter freiem Himmel, neue Schultoiletten, Fischerinnen in ihren Booten, Gemüsegärten und die Einweihung von Wassertanks. „Aus Prävention wächst Perspektive“, steht auf einem der Plakate. „Aus Unterstützung wird Wirkung“ auf einem anderen. Das sind keine Slogans, das sind konkrete Ergebnisse.

Bewegende Grüße aus Kenia

Die Verbindung nach Kenia ist an diesem Abend auch emotional spürbar. Die Partnerorganisation GENO schickt Grüße zum Jubiläum und bedankt sich für die jahrzehntelange Verbundenheit. Als Allmut Vierling den Brief aus dem Umschlag zieht, versagt ihr kurz die Stimme. Die Worte berühren sie sichtbar. Dirk Loose, Leiter des kreiskirchlichen Ökumene-Referates, übernimmt das Vorlesen: „Dank für Eure Solidarität, für den geteilten Glauben. Jeder Wassertropfen, den Ihr ermöglicht habt, bedeutet Hoffnung und eine positive Veränderung hier in Kenia.“ Und er ergänzt mit eigenen Worten: „Ihr seid ein Glücksfall für den Kirchenkreis. Ihr bringt so viele Menschen zusammen. Toll, dass es Euch gibt.“

Teil eines starken Netzwerks

Auch andere Wegbegleiter gratulieren. Vertreter*innen der Stadt Dortmund, der GEPA und langjährige Unterstützer, etwa die Gärtnerei Grünfrau, würdigen das Engagement der Weltgruppe Aplerbeck. Längst ist das Bistro Karibu Teil eines Netzwerks geworden, das sich für fairen Handel, globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung einsetzt.

Vom Weltladen zum Bistro Karibu

Dabei begann alles vergleichsweise klein. Der Weltladen Aplerbeck engagiert sich seit fast fünf Jahrzehnten für den Fairen Handel und die „Eine Welt“-Arbeit. Das Bistro Karibu kam vor 25 Jahren hinzu. Der Name ist dabei Programm: „Karibu“ bedeutet auf Swahili „Willkommen“. Und willkommen fühlen sich hier viele.

Monat für Monat gelebte Gastfreundschaft

Monat für Monat kommen Ehrenamtliche zusammen, um zu kochen, vorzubereiten, zu dekorieren und Gäste zu bewirten. Auf den Speisekarten finden sich Gerichte aus Ostafrika, dem östlichen Mittelmeerraum, Asien oder Lateinamerika. Viele Zutaten stammen aus dem Weltladen. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann die Gewürze und Produkte anschließend direkt mit nach Hause nehmen.

Kann man mit Pfannengemüse und Kartoffelgerichten die Welt retten? Vielleicht nicht. Aber man kann sie besser machen. Mit jedem Teller ein bisschen mehr.

Bistro Karibu

  • Weltladen Aplerbeck, Ruinenstraße 37, 44287 Dortmund
  • Seit 25 Jahren in der Evangelischen Georgs-Kirchengemeinde Dortmund-Aplerbeck
  • Benefiz-Veranstaltung zugunsten von Projekten in Kenia und weiteren internationalen Hilfsprojekten
  • Jeden letzten Freitag im Monat
  • Internationale Küche mit regionalen und fair gehandelten Zutaten
  • Getragen von Ehrenamtlichen zwischen 14 und 80 Jahren
  • Organisiert von der Weltgruppe und dem Weltladen Aplerbeck
  • Weitere Informationen unter www.weltladen-aplerbeck.de