Bolenge/Kongo

Partnerschaft mit Bolenge/Demokratische Republik Kongo

Seit über dreißig Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Dortmund und dem Kirchenkreis Bolenge der Eglise du Christ au Congo – Communauté des Disciples du Christ au Congo. 

Die Partnerschaft ist geprägt von gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Projekten wie etwa dem Ambulanzboot. Frauen Empowerment, Gesundheitsvorsorge und ein gemeinsames Interesse an Natur prägen die Partnerschaft. 

Sowohl in Bolenge als auch in Dortmund gibt es aktive Partnerschaftsgruppen, die sich regelmäßig treffen. Mindestens zweimal im Jahr gibt es gemeinsame digitale Sitzungen; mehrfach wöchentlich werden Neuigkeiten über die Sozialen Medien ausgetauscht.

Das Ambulanzboot für Bolenge

Ein Erfolgsprojekt des Ev. Kirchenkreises Dortmund

„Das sind die wahren Helden unseres Jahrhunderts“ –
Dortmunds ehemaliger Oberbürgermeister Ullrich Sierau über
Dr. Yoursen Bosolo

Seit September 2011 betreibt der Ev. Kirchenkreis Dortmund im Rahmen seiner Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Bolenge/Kongo ein Ambulanzboot an den Flüssen Kongo, Ubangi und Ngiri in der Demokratischen Republik Kongo.

Ziel: die medizinische Basisversorgung für sehr entlegene, nur per Boot erreichbare Dörfer des Partnerkirchenkreises Bolenge. Dort leben bis zu 80.000 Menschen, die bis 2011 keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hatten – die meisten hatten noch nie einen Arzt gesehen, bis Dr. Yoursen Bosolo mit dem Ambulanzboot zu ihnen kam.

Was ist das Ambulanzboot?

Ein Hausboot, das vor Ort auf drei traditionellen Einbaumbooten (Pirogen) gebaut worden ist, mit zwei Außenbordmotoren betrieben – eine absolut angepasste Technologie, die sich sehr bewährt hat – stabil und vor Ort reparierbar und offenbar nicht attraktiv für Diebstahl, Plünderung etc.

Es dient als Transportmittel für
  • das medizinische Team,
  • zwei aufblasbare Zelte als kombinierbare mobile Behandlungs- und
    Operationseinheit, in der einigermaßen steril gearbeitet werden kann
  • Ausstattung: Drei Operationstische und -lampen, Solarkühlschrank,
    Ultraschallgerät, Monitor, Defibrillator, EKG-Gerät, Mikroskop, Kompressor, Generator
  • Medikamente
  • Treibstoff für die gesamte Dauer des Einsatzes
Wer arbeitet auf dem Ambulanzboot?

Ein hochengagiertes, unermüdliches, uneigennütziges einheimisches Team, an der Spitze Dr. Yoursen Bosolo (Jg.1974) als Motor, Herz und Kopf des Projektes, zwei weitere Ärzte, ein Augenarzt, ein Arzt im Praktikum, eine Hebamme, zwei Krankenpfleger, ein Laborant, eine Apothekerin, zwei Expertinnen für Familienplanung bzw. HIV-AIDS-Prävention und ein technischer Helfer, sowie zwei Bootsführer. Weitere junge Ärzte nehmen inzwischen gern an den Fahrten teil, weil sie hier Gelegenheit haben, sich an Geräten fortzubilden, die es sonst in der Region nicht gibt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten hat das Team des Ambulanzbootes?

Behandelt werden können: Malaria, Durchfälle, Atemwegserkrankungen, sexuell übertragbare Krankheiten, HIV/AIDS, Verletzungen, Unterernährung, Wurmkrankheiten, Verbrennungen, komplizierte Geburten, Operationen wie Leistenbrüche, Blinddarm, Zysten, Kaiserschnitte, Hauttransplantationen u. ä.

Beeindruckende Zahlen

Auf bisher 79 Touren (Stand: Februar 2025) konnten seit Ende 2011 ca. 77.500 Behandlungen und etwa 5.200 Operationen durchgeführt werden. Vielen Menschen wurde so das Leben gerettet. Auch konnte in der Region die hohe Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern bei Geburten gesenkt werden. Das Ambulanzboot macht pro Jahr durchschnittlich sechs Touren in die entlegenen Gebiete. In der übrigen Zeit arbeiten die Ärzte im Krankenhaus von Bolenge, dem Zentrum der Protestantischen Jüngerkirche in der Äquatorprovinz.

Kosten pro Tour:
  • Medikamente
    ca. 5.500 Euro
  • Mobilität (Treibstoff, Bootsführer)
    ca. 4.000 Euro
  • Gehälter  (Primes)
    Für medizinisches und technisches Personal – 14 Personen
    ca. 4.200 Euro

Die Menschen in den Dörfern sind unendlich dankbar für die medizinische Versorgung und zahlen, wenn möglich, 1 bis 10 Dollar pro Behandlung bzw. Medikamente. Das Geld geht an die kleinen örtlichen Gesundheitszentren, die die Nachbehandlung in den Dörfern machen. Auf diese Weise werden die örtlichen Strukturen unterstützt und erhalten.

Wo kommt das Geld her?

Hauptsächlich von Dortmunder Spender*innen – initiiert vom Bolengepartnerschaftskreis und als Projekt getragen vom Ev. Kirchenkreis Dortmund, der Dr. Yoursen Bosolo mehrfach, zuletzt zum Ev. Kirchentag 2019 eingeladen hat, maßgeblich unterstützt vom ehemaligen Oberbürgermeister Dortmunds Ullrich Sierau, der Dr. Bosolo sehr schätzt, sowie der Vereinten Evangelischen Mission. Seit 2019 beteiligt sich die Else Kröner-Fresenius-Stiftung an den Kosten des Projektes.

Das Ambulanzboot unterwegs

Das Ambulanzboot unterwegs

Unser Bolenge-Echo erscheint drei- bis viermal im Jahr.
Wenn Sie es erhalten möchten,
dann nehmen Sie bitte über oekumene@ekkdo.de Kontakt mit uns auf.

2016

Der Leiter des Ambulanzboots, Dr. Yoursen Bosolo, nimmt auf Einladung des WWF teil am World Health Summit in Berlin. Er stellt Konzept und Arbeit des Ambulanzbootes in einem Workshop zum Thema Delivering Mobile Health in Remote Regions einem internationalen Publikum vor.

2018

Beim EBOLA-Ausbruch in der Äquatorprovinz im Kongo ist es das Ambulanzbootteam mit Dr. Bosolo, das unter hohem eigenen Risiko sofort in die entlegenen Dörfer aufbricht, um die Menschen aufzuklären und ihnen, dank Dortmunder Soforthilfe, Schutzmaterial, Fieberthermometer und fiebersenkende Medikamente zu bringen – lange bevor die Internationale Hilfe eintrifft. Dr.Bosolo hat einen großen Anteil daran, dass dieser EBOLA-Ausbruch wenige Monate später beendet werden konnte.

Dr. Bosolo nimmt auf Einladung der AU teil an der Conference-africaine-medicine-d’urgence in Rwanda teil. Dort stellt er ebenfalls das Ambulanzboot mit großem Erfolg als Modell solcher Notversorgung vor.

2019

Dr. Bosolo kann durch unsre Initiative eine gynäkologische Fortbildung für Fisteloperationen bei Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege in der Panziklinik in Bukavu/Ostkongo machen. Seitdem identifiziert er bei den Ambulanzboottouren betroffene Frauen und Kinder, die aufgrund von Vergewaltigungen oder Geburtskomplikationen zumeist von ihren Familien verstoßen sind und operiert sie seit 2020 am Krankenhaus von Bolenge in einer eigens eingerichteten Abteilung.

2020

Dr. Bosolo nimmt auf Einladung von WHO und Gesundheitsministerium teil am 1. Symposion für Medicine d’urgence der DRC in Kinshasa. Er ist einer von 30 Experten und kann auch dort das Ambulanzboot als vielbeachtetes Modell einer Notversorgung vorstellen.

Aktuelle Corona-Aktivitäten

Sofort nach dem Corona-Ausbruch in der Demokratische Republik Kongo hat das Ambulanzbootteam seine geplante 49. regelrechte Tour in die entlegenen Dörfer abgesagt, um zu verhindern, dass sich dort wie üblich Hunderte in der Erwartung medizinischer Behandlung versammeln und so das Virus möglicherweise verbreiten.

Stattdessen wurde vom 4.-12.April 2020 eine Sensibilisierungstour gemacht.
Mit reduzierter Mannschaft und motorisiertem Einbaumboot hat Dr. Bosolo:

  • alle Dörfer des Triangle Ngiri angefahren und die Dorfchefs durch Aufklärung per Megaphon sowie Plakate auf Gefahren und Schutzmaßnahmen vor Covid-19 hingewiesen
  • das medizinische Personal von 15 kleinen Gesundheitsstationen des Triangle Ngiri über Symptome sowie Schutzmaßnahmen aufgeklärt und ihnen Medikamente, Laserthermometer, Handwaschvorrichtungen, Desinfektionsmittel sowie Schutzkleidung überreicht. Einfacher Mund-Nasen-Schutz war zuvor in großer Zahl von einer lokalen kirchlichen Nähgruppe zur Verfügung gestellt worden.

Anfang Mai hat das Ambulanzbootteam eine ähnliche Tour zu den entlegenen Landgemeinden unseres Partnerkirchenkreises gemacht.

Für beide Touren hat der Ev. Kirchenkreis zusammen mit dem WWF und der EKF- Stiftung jeweils15.000 US Dollar zur Verfügung gestellt.

Wir müssen davon ausgehen, dass der Kampf gegen das Corona-Virus auch im Kongo noch lange Zeit andauern und auch von unsrer Seite weitere finanzielle Mittel erfordern wird.

2014

Agenda – Siegel für Nachhaltige Entwicklung der Stadt Dortmund

2016

Bundesverdienstkreuz für Pastorin i.R. Dorothea Philipps, Initiatorin des Projekts

Dorothea Philipps, Mai 2020

Medizinische Hilfe im Kongo

Sie hatten vorher nie einen Arzt gesehen, die Menschen in den Dörfern am Kongo und seinen Nebenflüssen Ubangi und Ngiri. Bis das Ambulanzboot kam. Seit 2012 fährt es mehrmals im Jahr zu den entlegenen Dörfern des Dortmunder Partnerkirchenkreises Bolenge in der Demokratischen Republik Kongo. An Bord: Das hochengagierte einheimische Team mit Dr. Bosolo, weiteren Ärzt*innen, Krankenpfleger*innen und einer Hebamme, außerdem Medikamente, Hilfsmittel und ein großes Operationszelt. Mehr als 60.000 Behandlungen und mehr als 2.500 Operationen konnten schon durchgeführt werden. Vielen Menschen wurde so das Leben gerettet und entscheidend verbessert. Auch konnte in der Region die hohe Sterberate von Müttern und Kindern bei Geburten gesenkt werden.

Mit Ihrer Spende können Sie uns helfen, weitere Fahrten des Ambulanzbootes zu finanzieren und ein in Afrika einmaliges, lebensrettendes Projekt zu unterstützen. Eine Fahrt kostet etwa 14.000 € für Medikamente, medizinische Geräte, Treibstoff und Gehälter. Dazu kommen noch Einsätze für HIV Prävention, Ebola Sensibilisierung und Familienplanung. Jeder gespendete Euro wird ohne Abzüge in das Projekt investiert.

Seit Beginn der Partnerschaft fühlen sich die Frauen in Dortmund und Bolenge miteinander verbunden – ein neues Projekt, welches auf Initiative der Frauen im Kirchenkreis Bolenge im Herbst 2021 gestartet ist, hat nun Fahrt aufgenommen.

Die Partnerschaftsvorsitzende Belinda Mosambay steht stellvertretend für eine neue Generation von weiblichen Führungskräften, die Frauen-Empowerment neu definieren: Projekte werden unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, der Verbesserung der Lebenswirklichkeit von Frauen und Familien sowie der wirtschaftlichen und materiellen Unabhängigkeit selbstständig gestartet. In diesem Projektvorhaben bemühen sich die Frauen im Kirchenkreis Bolenge in der Demokratischen Republik Kongo nun darum, einen eigenen Kleintransporter für die Frauengemeinschaften anzuschaffen. Bislang transportieren die Frauen aus den Dörfern ihre Lebensmittel individuell zu den lokalen Märkten; sie gehen stundenlang zu Fuß oder sie geben viel Geld aus für den Transport, sind zeitlich unflexibel und abhängig. Jetzt sammeln sie aktiv Geld, um sich innerhalb der nächsten drei Jahre einen eigenen Kleintransporter zu kaufen, und die auf den Feldern angebauten landwirtschaftlichen Erzeugnisse eigenständig zum Markt bringen zu können.

Frauen erobern sich wirtschaftliche Unabhängigkeit

Bemerkenswert findet Hannah Kochanek, Vorsitzende der Partnerschaftsgruppe in Dortmund, das Engagement von Frauengruppen. „Die Frauen wollen sich selbstständig machen“, sagt sie. „Dazu bauen sie Nahrungspflanzen an. Diese wollen sie in der benachbarten Millionenstadt Mbandaka verkaufen.“  „Im Prinzip wäre dies eine sehr gute Idee“, kommentiert Kochanek weiter, doch bestehe ein erhebliches Transportproblem. Hier hatten die selbstbewussten Frauen eine geradezu revolutionäre Idee: Sie schaffen einen Transporter an. Und sie lernen selbst dieses Fahrzeug zu fahren. Ivette Ikomo (31 Jahre) und Huguette Boyalobi (28 Jahre) werden jetzt als erste Frauen ihrer Kirche einen Führerschein machen, um den Kleintransporter selbst fahren zu können.

Der Partnerschaftskreis Bolenge ist von diesem Vorhaben der Frauen sehr überzeugt und unterstützt sie dabei. Eine Kirchengemeinde aus Dortmund erklärte sich spontan bereit, die hohen Kosten eines Führerscheins für zwei Frauen zu übernehmen. So sind die Frauen der Gemeinden schließlich unabhängig von den Zeitplänen der männlichen Fahrer und deren Preisvorstellungen. „So entwickeln die Frauen im Nordwesten des Kongo ein neues Selbstbewusstsein. Sie wollen einander stärken und eigenständig werden. Auch eine Überschwemmung ihrer Äcker hält sie nicht davon ab“, erklärt Hannah Kochanek das Vorhaben der Frauengruppen.

Regelmäßige Informationen zum Frauen Empowerment Projekt in Bolenge

finden Sie auf dem gemeinsamen BLOG. 

Spendenkonto

Bolenge Partnerschaft Spendenkonto

  • Kreiskirchenkasse Dortmund
    IBAN DE 77 3506 0190 0099 9999 93
    BIC GENODED1DKD
    KD-Bank Duisburg

Zweckbestimmung bitte auswählen und angeben:

  • Ambulanzboot
    oder
  • Frauen Empowerment Projekt
    oder
  • Bolenge allgemein

 

Online-Spende über die KD-Bank

Jeder gespendete Euro kommt unmittelbar dem Projekt zugute.
Alle entstehenden Kosten für die Spendenverwaltung,
für Bankgebühren, Porto u. ä. trägt der Ev. Kirchenkreis Dortmund.

Kontakt

Partnerschaftskreis Bolenge

  • Partnerschaft Bolenge – Vorsitz: Hannah Kochanek

  • Projekt Ambulanzboot: Referat Ökumene im Kirchenkreis Dortmund