Weniger Geld als erwartet: Herbstsynode beschließt Verteilung der Kirchensteuer für die kommenden zwei Jahre
Von Nicole Schneidmüller-Gaiser
Alles hängt mit allem zusammen – oder, um Lisa Prang, die Verwaltungschefin im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund, zu zitieren: „Wir in der Evangelischen Kirche von Westfalen sind eine Finanzgemeinschaft – das bedeutet, wir alle müssen nicht nur hier im Kirchenkreis solidarisch mit den anvertrauten Kirchensteuern umgehen, sondern über alle Ebenen hinweg.“ Was das für den Doppelhaushalt 2026/2027 bedeutet, erfuhren die Teilnehmenden der Herbstsynode am Montagabend (1.12.2025). Denn auf der Finanzsynode dreht sich traditionell (fast) alles ums Geld. Und weil die Landeskirche sparen muss, kommt auch in den Kirchengemeinden in Dortmund, Lünen und Selm weniger Geld an.
Es ist ein lang eingeübtes Prozedere. Die Landeskirche berechnet, wie viel Kirchensteuern eingenommen wurden – und zieht von der Summe erst einmal eine ganze Reihe von eigenen Ausgaben ab. Doch weil im Haushalt der Landeskirche allein für 2026 eine Deckungslücke in Höhe von 35 Mio. Euro im Bereich der Versorgungs- und Beihilferückstellung klafft, müssen nun auch alle Kirchenkreise den Gürtel enger schnallen. Was bleibt, wird an die Kirchenkreise überwiesen – nach einem Schlüssel, der sich an der Zahl der Gemeindeglieder orientiert.
Kirchenkreis erhält 27,32 Mio. Euro Kirchensteuermittel
Pro Gemeindeglied gibt es 172,43 Euro – die Zuweisung für den Evangelischen Kirchenkreis Dortmund mit seinen 162.047 Gemeindegliedern beträgt demnach im kommenden Jahr 27,32 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im letzten Vor-Corona-Jahr 2020 gab es noch 30 Mio. Euro. Deutlich weniger als erwartet, wie die Verwaltungschefin vor den Vertreter*innen der 28 Gemeinden offen bekennt: „Der geringere Betrag wird durch eine höhere Entnahme aus der Rücklage kompensiert.“ Soll heißen: Um die laufenden Kosten zu decken, muss erstmals die Spardose geöffnet werden.
Mieten und Anlagen als zusätzliche Einnahmen
Das ist natürlich keine Dauerlösung, weshalb die Verantwortlichen in den Dortmunder Gemeinden, in der Verwaltung, in den Diensten und Einrichtungen und in der Theologischen Leitung fortwährend nach Lösungen suchen, um Ausgaben zu senken und/oder neue Einnahmen zu akquirieren. Dass eigene Immobilien dabei ein Teil der Lösung sein können, zeigt ein Blick auf die Ausschüttung aus dem Treuhandfond: Ein Teil der Erlöse fließt in die Instandhaltungsrücklage, ein Teil der Einnahmen aus Mieten und Erbbauzinsen kann ausgeschüttet werden. Daneben gibt es auch eine Sammelgeldanlage, über die Michael Stache, einer der drei Theologen an der Spitze des Kirchenkreises, sagt: „Ich bin ja immer wieder froh, dass wir fast 2 Mio. Euro zusätzlich haben, die wir durch kluge Anlage zusätzlich in den gemeinsamen Topf neben der Kirchensteuer packen können.“
Planungssicherheit durch Doppelhaushalt
Um größtmögliche Planungssicherheit herzustellen, führt die Verwaltung zum kommenden Jahr Doppelhaushalte ein, sodass die Verantwortlichen in den Gemeinden und Diensten für jeweils zwei Jahre wissen, wie viel Geld ihnen für ihre Arbeit zur Verfügung steht. Ein Schritt, den die Synodalen erkennbar begrüßen.
Helfen soll den Gemeinden auch die solidarische Finanzierung wichtiger Aufgaben aus einem gemeinsamen Etat – die Arbeit der Präventionsfachstelle gilt als „gesamtkreiskirchlicher Aufgabenbereich“, die durch den Beschluss der Synode nun für weitere vier Jahre sichergestellt ist. Und durch das Projekt „Kirchenpost“, das im Februar 2026 startet und sich gezielt an junge Christinnen und Christen in Dortmund richtet, soll die Zahl der Kirchenaustritte gesenkt werden – mit erhofften positiven Auswirkungen auf die Steuereinnahmen von morgen und übermorgen.
- Das Video der Synode bei YouTube
Foto: Stephan Schütze
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