„Beim Namen nennen“

07.06.2022

Ein Aufruf der Evangelischen Stadtkirche St. Reinoldi Dortmund in Kooperation mit den Flüchtlingsinitiativen in Dortmund, dem Evangelischen Kirchenkreis Dortmund und anderen Akteuren:
Der Krieg in der Ukraine führt uns erneut vor Augen, wie furchtbar es ist, wenn Menschen flüchten müssen. Niemand flüchtet gern – auch nicht von anderen Kriegsschauplätzen und Konflikt- und Krisenregionen, zum Beispiel in Afghanistan, Syrien oder Eritrea. Seit 1993 sind mehr als 48.000 Menschen beim Versuch, nach Europa zu flüchten, gestorben – im Mittelmeer oder an den Grenzübergangen an Land. An den Außengrenzen leben aktuell Hundertausende Menschen in erbärmlichen Verhältnissen und Lagern. Das ist erschütternd. Und es ist ein Skandal für ganz Europa.
Dagegen erheben wir an St. Reinoldi zusammen mit den Flüchtlingsinitiativen in Dortmund, privat Engagierten und vielen anderen Kooperationspartner:innen als Teil des Aktionsbündnisses „Beim Namen nennen“, das mittlerweile in 17 Städten in Deutschland und der Schweiz aktiv ist, an vier Tagen zum Weltflüchtlingstag Einspruch.
Wir gedenken der Toten an unseren Grenzen, protestieren gegen das sinnlose Sterben und die massiven Menschenrechtsverletzungen, fordern eine Politik, die Menschen schützt und ihre Würde bewahrt und setzen uns auf verschiedene Weise damit auseinander, was Flucht, Entwurzelung und Ankommen in der Fremde und bei uns in Dortmund bedeutet.
Ab dem 17. Juni finden an und rund um die Stadtkirche St. Reinoldi u.a. Interaktive Lesungen, Friedensgebete, Gottesdienste, Stilles Gedenken, Ausstellungen sowie ein Benefiz-Konzert für „Ärzte ohne Grenzen“ mit dem Transorient Orchestra und Orpheu XXI in der Pauluskirche statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Spenden sind willkommen.
Regionale Unterstützer:innen: Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Ev. Kirche von Westfalen, Ev. Kirche von Westfalen, Evangelische Studierenden Gemeinde Dortmund, Frau Lose e.V., Institut für Vokalmusik/KLANGVOKAL Musikfestival Dortmund, Schulreferat des Ev. Kirchenkreises Dortmund, SPD Dortmund, United4Rescue – Gemeinsam Retten e.V.
Alle Mitveranstaltenden in Deutschland und der Schweiz siehe unter www.beimnamennennen.ch
Grundlage der Gedenkaktion „Namen lesen“ am 20. Juni ab 10 Uhr in der Reinoldikirche ist die List of Deaths – ein Projekt des Netzwerks „UNITED for Intercultural Action – European network against nationalism, racism, fascism and in support of migrants and refugees.

Koordination des Projekts und weitere Informationen

Im Internet

Die Veranstaltungen im Überblick

Licht & Stille / Totengedenken – Abendgebet & Segen & Beten für den Frieden

Freitag, 17. Juni, 17:45 Uhr und 18 Uhr in St. Reinoldi
Susanne Karmeier, Stadtkirchenpfarrerin an St. Reinoldi Dirk Loose, Leiter des Referats Ökumene Ev. Kirche Dortmund

«FLUCHT – Eine Menschheitsgeschichte» / Lesung & Gespräch & Musik

Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr in St. Reinoldi
Andreas Kossert, Autor und Historiker-Lesung Uwe Schulz, Journalist und Autor – Moderation Musik: Duo Kazim Calisgan & Andreas Heuser
Andreas Kossert, renommierter Experte zum Thema Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert, liest aus seinem preisgekrönten Buch. Eins seiner Anliegen: Menschen auf der Flucht zu Wort kommen lassen. Bewegenden Einzelschicksale stellt er in einen großen geschichtlichen Zusammenhang und beschreibt die existenziellen Erfahrungen, die mit Flucht und Vertreibung einhergehen und spricht darüber mit dem WDR-Journalisten Uwe Schulz.

Aktionstag der Flüchtlingsinitiativen in Dortmund

Samstag, 18. Juni vor der Reinoldikirche / Ostenhellweg
„Wir stellen uns vor – denn wir sind für die Geflüchteten in unserer Stadt da…“ Aktionen, Überraschungen, Fragen. Vertreter:innen verschiedener Flüchtlingsinitiativen gehen ins Gespräch zur aktuellen Arbeit mit Geflüchteten und ihrer Situation. Dazu: HOME STORIES – eine Ausstellung von Alexandra Breitenstein: Unsere neuen Nachbarn: Geschichten und Portraits von Geflüchteten, die in Dortmund eine Wohnung gefunden haben.

Gottesdienst zum Weltflüchtlingstag

Sonntag, 18. Juni, 11.30 Uhr in St. Reinoldi
Geflüchtet – und dann? «Baut Häuser und wohnt darin …» Susanne Karmeier, Stadtkirchenpfarrerin an St. Reinoldi | Paul Gerhard Stamm, Superintendent i.R., Mitglied der Seebrücke, Koordination Flüchtlingsinitiativen in Dortmund mit: Nahid Farshi, Projekt Ankommen | Martina Herold, Diakonie | Elaine Yousef, VMDO Musik: Mouaz Alsirieh, Fagott | Tobias Schneider, Klavier

Benefizkonzert für «Ärzte ohne Grenzen» mit dem Transorient Orchestra und Orpheus XXI u. a.

19.30 Uhr // Ev. Pauluskirche, Schützenstr. 35, Dortmund
Santur, Oud, Ney und Darbuka im kreativen Dialog mit Bigband-Bläsersätzen, Gitarre, Bass, Violine, Schlagzeug und Percussion plus arabischem und türkischem Gesang. Das Transorient Orchestra unter der Leitung von Andreas Heuser bringt Orient und Okzident zusammen und lässt zugleich den Soundtrack des Ruhrgebiets erklingen. Zudem singt der Chor Orpheus XXI auf Arabisch, Hebräisch, Syrisch, Türkisch, Persisch und mehr. Er wurde 2021 als Chor für das große Ensemble Orpheus NRW gegründet und arbeitet unter Anleitung von Rebal Alkhodari an einem neuen Klang, der zwischen neuer Heimat und Rückblenden auf arabische Musik oszilliert. Der Sound kommt aus dem Iran und Afghanistan und allen Mittelmeerländern.

Namen lesen

Montag, 20. Juni, zwischen 10 und 18 Uhr in der Offenen Kirche St. Reinoldi
Gegen das Vergessen: Wir lesen die Namen der Verstorbenen vor und nennen die Umstände ihres Todes. Immer zur halben Stunde wird es still. Immer 5 Minuten vor der vollen Stunde ehren Künstler:innen aus Dortmund mit Musik oder Wort die Toten.

Circle of Silence «Wenn ich es wäre … »

Montag, 20. Juni, zwischen 12 und 12.30 Uhr vor der Reinoldikirche / Ostenhellweg
Öffentlich schweigen: Wir setzen ein Zeichen gegen die Ausgrenzung und das Vergessen von geflüchteten Menschen an unseren Grenzen und in unserer Gesellschaft. Stellen Sie sich dazu.

Namen schreiben

Montag, 20. Juni, zwischen 15 und 18 Uhr vor Reinoldikirche / Ostenhellweg
Wir schreiben die Namen der Verstorbenen auf ein Banner und machen sie sichtbar.

Firas erkundet ein merkwürdiges Land … Mehr als eine Lesung: mit Firas Alshater aus Berlin

Montag, 20. Juni, 20 Uhr in St. Reinoldi / Einlass ab 19.30 Uhr
«Versteh einer die Deutschen». Der aus Syrien kommende Comedian und You-Tube-Star versucht das seit 2013 und sagt «Da reicht ein Leben nicht für.» Doch als seine Familie über das Mittelmeer nach Europa kommt, erkennt er: Ich bin schon total deutsch. Von seinen Erlebnissen in Syrien, wo er verhaftet und gefoltert wurde, und seinen Erfahrungen in Deutschland erzählt Firas witzig, tragikomisch, offen und liebenswert frech. Fragespiele mit dem Publikum inklusive.

«Vom Menschen zum Flüchtling – vom Flüchtling zum Menschen»

14. – 26. Juni Ausstellungen in St. Reinoldi während der Offenen Kirche
Ausstellung mit Fotografien 2016/22 von Cornelia Suhan Fotografien von 15 Geflüchteten erzählen von ihren Träumen, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Cornelia Suhan hat sie befragt. «Genau wie wir haben sie Pläne für ihr Leben. Sie wünschen sich ein gutes.» 6 Jahre sind vergangen – die Portraitierten werden wieder gefragt: Wie sehen sie sich heute? Wo sind sie angekommen? – Ihre Antworten: mutig, tapfer, lachend. Menschen eben!

„Heimat: gestern und morgen!“

Eine Fotoausstellung von jungen Zugewanderten / begleitet von der Fotografin Sabitha Saul
Ein Projekt von Frau Lose e. V. und dem forum JUGEND! e. V. Heimat liegt oft direkt vor der Tür und manchmal auch in der Ferne. Heimat erscheint uns als etwas Selbstverständliches, doch ihr Wesen ist fragil. In der Fotoausstellung „Heimat – Gestern und Morgen?! Sehen Sie die Welt mit den Augen junger Menschen, die seit einiger Zeit in Deutschland leben. Dabei werden Sie als Besucher:in mitgenommen zu erraten an welchem Ort das Bild entstanden ist.