Braunes Netz in Europa

Die Dortmunder Neonaziszene ist vernetzt mit anderen rechtsextremen Gruppierungen in Europa. Darunter sind militante, bewaffnete und terroristische Organisationen. Das ist das Resümee der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Arnsberg.
Ein Vertreter der Beratungsstelle, der namentlich in der Presse nicht genannt werden möchte,  hatte beim „Arbeitskreis Christen gegen Rechtsextremimus“ zu dem Thema der europäischen Vernetzung der Dortmunder Neonazi-Szene referiert. „Europa erwache!“ ist schließlich das Motto des Neonaziaufmarschs am Samstag – unter angekündigter Beteiligung von faschistischen Gruppierungen aus mehreren Ländern Europas. Die Beratungsstelle stellte klar: „Hinter diesem Motto steht der Europagedanke der Waffen-SS.“ Und Pfarrer Friedrich Stiller vom Arbeitskreis ergänzte: „Europa erwache – das bedeutet ein Europa, das auf Verbrechen, Antisemitismus und Krieg gebaut ist.“
Die Dortmunder Neonazigruppe hat Kontakte unter anderem zum „Asow-Bataillon“ in der Ukraine, eine neonazistische Miliz, die Teil der ukrainischen Armee ist. Die Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus konnte Verbindungen der rechtsextremen Dortmunder nach Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Skandinavien, den Niederlanden, Italien und Ungarn nachweisen. Führende Mitglieder der ungarischen Neonazigruppierung wurden dort wegen Vorbereitung terroristischer Gewalttaten verhaftet. Von besonderer Bedeutung sind die Beziehungen zu „Blood and Honour“, einem internationalen Netzwerk, das seit 2000 in Deutschland verboten ist, und seinem bewaffneten Ableger, „Combat 18“. Letzteres hatte Verbindungen zum Nationalsozialistischen Untergrund und seinem Unterstützerumfeld. Ein knappes Dutzend europäischer Aktivisten von „Combat 18“ hatte 2016 beim Dortmunder Naziaufmarsch zum „Tag der deutschen Zukunft“ teilgenommen.
Personelle Überschneidungen gibt es zwischen den Dortmunder Neonazis und den „Hammerskins“, bei denen zumindest ein Dortmunder Führungskader aktiv ist. Ähnliche Überschneidungen existieren zwischen Dortmund und den holländischen „Racial Volunteer Force“, deren Ziel die Schaffung einer „großdeutschen Lösung“ ist.
Nach Einschätzung der Beratungsstelle geht es bei den innereuropäischen Vernetzung der Rechtsradikalen nicht nur um Erfahrungs- und Strategieaustausch, sondern auch um den Versuch der Dortmunder braunen Szene, sich mit einem Führungsanspruch zu profilieren.