Das Geheimnis der Weihnacht

24.12.2021

Weihnachten fasziniert mich immer wieder. Weihnachten, das ist für mich ein fester Ruhepol im Jahr. Gerade in unruhigen Zeiten ist es das einzige, das beständig ist. Weihnachten ist geheimnisvoll. Deshalb berührt es so viele Menschen, ob groß oder klein. Weihnachtliche Geheimnisse finde ich nicht nur zwischen Baum, Lichtern und Geschenken, ich finde sie vor allem im Christkind selbst: im Kind, das da zur Welt gekommen ist, und dessen Geburt zu Weihnachten gefeiert wird.
Ein Kind rührt mich an, seine Kleinheit, seine Hilflosigkeit, sein zartes Gesicht, sein leises Wimmern, sein angeborenes Lächeln. Das Kind zu Bethlehem steht für mehr als für die Geburt eines kleinen Menschen. Jesus Christus ist das Geheimnis von Weihnachten. „In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.“, so beschreibt es die Bibel (Kolosser 1,3).
Alles, wonach der Mensch irgendwann geforscht hat, alles, was er jemals wissen wollte, ist verborgen in diesem kleinen Kind? Das ist wirklich ein großes Geheimnis. Aber es kommt noch höher, denn im Bibeltext steht auch: „9in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“. So sagen es auch die Bekenntnisse des christlichen Glaubens: In Jesus Christus ist Gott Mensch geworden. Gott, der Schöpfer aller Dinge, der die Welt entstehen ließ und dafür sorgt, dass sie sich weiterdreht, er, der den Menschen erschaffen hat, er hat alle Weisheit und Erkenntnis. Das ist so hoch, dass wir oft das Bedürfnis haben, auf Abstand zu gehen.
Und gerade deshalb kommt er uns auf eine besondere Weise nahe. Er erscheint der Menschheit in einem kleinen Kind, zart und zerbrechlich. Es begibt sich gleich am ersten Lebenstag in die Gefahren dieser Welt. Es wird fast unter freiem Himmel geboren, und es dauert nicht lang, da wird es von irdischen Mächten bedroht.
In diesem kleinen Wesen kommt mir die ganze Fülle der Gottheit entgegen. Wie soll ich das verstehen?
Manchmal sind wir mit Weihnachten etwas überfordert. Ist uns das nicht alles etwas zu viel? Alle Geheimnisse, alle Erkenntnis, die Fülle der Gottheit, ist das nicht ein paar Nummern zu groß für uns Menschen? Oft möchten wir fliehen vor Lichterglanz und Tannenduft. Doch in dieser Zeit gibt uns gerade das besonderen Halt. Aber es werden auch Zweifel in uns wach.
Manche, die Weihnachten feiern, haben die Hoffnung verloren, dass der Inhalt dieses Festes sie wirklich weiterbringt.
Doch wie kann ich die Botschaft des Festes wiederentdecken? – Vielleicht schaffe ich es, wenn ich mich auf den Weg nach Bethlehem mache, zumindest innerlich.
Die Weihnachtsgeschichte erzählt von zwei Gruppen, die das Kind in der Krippe besuchen. Da sind die Hirten, die die Botschaft der Engel zuerst hörten, einfache Leute. Ihr Gang zur Krippe, hat ihren Alltag unterbrochen, aber sie kamen, und sie verstanden. Auf der anderen Seite machen sich die Weisen aus dem Morgenland auf den Weg. Sie folgten einer Anomalie im Sternbild und wollten ihr Wissen vermehren.
Diese beiden Gruppen können symbolisch für den heutigen Menschen stehen, denn sie bilden die ganze Spannbreite menschlichen Interesses ab. Einfache Sehnsucht nach Geborgenheit, oder der Wunsch nach wissenschaftlicher Erkenntnis. Die Motive sind verschieden, die die Menschen zur Krippe führen. Aber das Ziel ist das gleiche. Es ist das Kind, das in Bethlehem geboren wurde.
Und in diesem Kind liegen alle Geheimnisse und die ganze Weisheit der Welt verborgen. Aber um das zu erkennen, muss ich nicht unbedingt ein weiser Forscher sein. Auch die einfachen Hirten gelangen zum Christkind, und sie sind sogar die ersten. Für mich heißt das: Jeder kann dieses Geheimnis erkennen: Es ist das Kind in der Krippe, in Schwachheit geboren, bedroht von den Gefahren der Welt. Und doch lebt in ihm die Fülle der Gottheit.
Die Hilflosigkeit des Säuglings berührt mich. Genau da ist der Schlüssel zum Geheimnis verborgen. Solch ein Kind kann nur überleben, wenn es Liebe und Zuwendung erhält, Fürsorge und Wärme. Und wenn es das alles bekommt, wird es uns ein Lächeln schenken, dann wird es uns mit seinem klaren Blick anschauen, der das Leid der Welt noch nicht gesehen hat, aber es dennoch deutlich vor Augen hat. Dieses Kind schenkt das Geheimnis, das es in sich trägt, es schenkt Liebe. In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.
Ich erfahre das in der Liebe, die mir dieses Kind entgegenbringt. Gottes Liebe übersteigt alle Grenzen. Mit jedem Weihnachtswunsch gebe ich Gottes Liebe weiter.
Als aus dem Christkind der erwachsene Jesus Christus wird, teilt er seine Liebe mit allen Menschen. „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ (Johannes 6,37) Dies ist die Jahreslosung für 2022. Die Einladung, seinem Weg der Liebe zu folgen, gilt jedem Menschen. Er teilt seine Liebe, mit denen die unter Krankheit leiden. Und seine Liebe gibt denen Kraft, die sich für die Gesundheit einsetzen.