Mit dem Antwerpener Flügelaltar steht in der Stadtkirche Sankt Petri das imposanteste Kunstwerk, das sich in Dortmund aus dem Mittelalter erhalten hat. Bei seiner Beschreibung lassen sich Superlative nicht vermeiden: Es handelt sich um den größten flämischen Altar des Mittelalters, um eines der größten kirchlichen Bildwerke der Gotik überhaupt, und um eines der bilderreichsten plastischen Kunstwerke Europas.
Die Zahl der Darstellungen ist so groß, dass nicht ein Paar Flügel genügte, vielmehr wurden zwei Flügelpaare geschaffen. Dadurch ist es möglich, den Flügelaltar in drei verschiedenen Zuständen, den „Wandlungen“, zu zeigen. Die Menschen im Mittelalter haben allerdings die Bilder nur selten sehen können, denn damals war der Flügelaltar überwiegend geschlossen. Geöffnet wurde er nur zu besonderen liturgischen Anlässen. Die mit Hunderten vergoldeten Figuren ausgestattete Innenseite, der der imposante Flügelaltar seinen Namen „Das Goldene Wunder“ verdankt, war nur an wenigen kirchlichen Festtagen zu sehen.
Durch die Umsicht derer, die die Kostbarkeit des Altarwerkes zu schätzen wussten, konnte es bis heute erhalten werden. Dank der Auslagerung in die Domänenkirche von Möllenbeck an der Weser blieb es von Zerstörungen durch Luftangriffe am 23. Mai 1943 verschont und kehrte nach dem Wiederaufbau der Kirche 1967 in den Chorraum zurück. 2008 wurde zum klimatischen Schutz des Altarwerkes eine Glastrennwand eingebaut.
Zur gemeinsamen Feier der Osternacht am Samstag, 30. März, ab 22 Uhr laden Sankt Petri und Sankt Reinoldi in die Stadtkirche Sankt Petri ein – mit Altarwandlung, Segen und gedecktem Tisch. In der Nacht, nach der alles anders ist, wird das Antwerpener Altarretabel von der Passionsansicht zur Goldseite gewandelt: „Wir essen Brot und leben vom Glanz …“ Mit Pfarrerin Christel Schürmann, Pfarrerin Susanne Karmeier und Kantor Manfred Grob (Orgel und Flügel).
Die Wandlungen des „Goldenen Wunders“
- Geschlossener Flügelaltar (ursprünglich die Alltagsansicht): in der Passionszeit, spätestens zur Karwoche vor Ostern
- Gemäldetafel (ursprünglich die Sonntagsansicht): nach Pfingsten bis September/Oktober
- Festtagsseite „Das Goldene Wunder“: ab September/ Oktober bis zur Passionszeit (Karwoche) und von Ostern bis Pfingsten
- Die Wandlungen des Flügelaltars sind öffentlich im Rahmen von Kirchenführungen, Gottesdiensten, Vorträgen oder Stadtereignissen wie dem Tag des Offenen Denkmals oder der Museumsnacht zu sehen.