„Den Ball flach halten, wenn wir über Gott sprechen“

15.05.2018

Christen und Muslime glauben an den einen Gott. Diese enge Verbundenheit war auch im interreligiösen Gottesdienst in der Dortmunder Stadtkirche St. Petri zu spüren, in dem Ralf Lange-Sonntag als landeskirchlicher Islam-Beauftragter offiziell in sein Amt eingeführt worden ist. In dem vom zuständigen Ökumene-Dezernenten der westfälischen Kirche, Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller, geleiteten Gottesdienst, wirkten auch muslimische Gäste und aramäische Religionsvertreter mit.
Für den Dortmunder Theologen und seine Aufgabe ist klar: Beide Seiten müssten die Religion stärken, „damit wir genug Religion haben, um uns zu lieben, statt uns zu hassen.“ Christen und Muslime sei aufgetragen, Gottes Wort zu halten. Gemeint sei damit, dafür zu sorgen, diese Welt gerechter und friedlicher mitzugestalten. Es sei nicht einfach, Liebe zu üben und die Gläubigen einer anderen Religion zu lieben. Doch wachse die Liebe in den Beziehungen zwischen Menschen.
Er freue sich, wenn auch Gesprächspartner aus anderen Religionen den Vers des Propheten Micha (6,8) so verstehen, dass es darum gehe, Gottes Versprechen an die Welt wahr werden zu lassen. Der Dialog-Beauftragte mahnte daher zur Vorsicht, „wenn wir Aussagen über andere Religionen und ihre Gottesvorstellungen machen.“ Es seien nicht allgemeine Feststellungen hilfreich, sondern Erfahrungen mit Gott, die Menschen machten. Auf den Punkt sagte Lange-Sonntag in seiner Predigt in bester Ruhrpottsprache: „Lasst uns den Ball flach halten, wenn wir von Gott reden.“
In Zeiten, in denen der Islam negative Schlagzeilen macht, kommt es ihm darauf an, im Gespräch zu bleiben: „Als Kirche dürfen wir den Dialog mit dem Islam keinesfalls aufgeben – wir sollten die gesprächsbereiten Religionsvertreter stärken“, sagt der in Dortmund beheimatete Lange-Sonntag. Er ist zuständig für das Gespräch mit den Religionen, insbesondere mit dem Islam. Mit seiner Aufgabe verbunden ist eine halbe Stelle im landeskirchlichen Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung/MÖWe in Dortmund, wo er zuständig ist für den Arbeitsschwerpunkt „Christlich-Islamischer Dialog“ bzw. „Interreligiöser Dialog“. Er arbeitete zuvor in der Evangelischen Kirchengemeinde Brackel, ab 2001 als Religionslehrer am Paul-Ehrlich-Berufskolleg und ab 2011 als Referent für Fragen des Christlich-Islamischen Dialogs im Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG) in Schwerte-Villigst.
In einem Studientag in Dortmund vor dem Gottesdienst zur Amtseinführung machte Professor Dr. Dieter Becker (Bielefeld) deutlich, dass Mission heute längst nicht mehr mit Intoleranz verbunden ist, sondern das Eintreten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung bedeutet. „Dies kann und soll auch gemeinsam mit Menschen anderen Glaubens geschehen.“ Im interreligiösen Dialog müssten behutsam belastbare Beziehungen aufgebaut werden. „Danach ist es allerdings möglich und nötig, auch Strittiges zu diskutieren.“
Dr. Ali Ghandour vom Zentrum für islamische Theologie Münster erläuterte den arabischen Begriff „Da’wah“, den man etwa mit Einladung übersetzen kann. Das Ziel sei, „den Weg des Menschen zu Gott zu erleichtern“. Dabei gehe es nicht um die gegenseitige Überzeugung von den eigenen Glaubensvorstellungen, „sondern um die gegenseitige Unterstützung, um Prinzipien wie die Nächstenliebe, die Güte, die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu stärken“. Das könne bedeuten, dass sich Christen und Muslime gemeinsam gegen Ungerechtigkeit wie die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich oder die Zerstörung der Umwelt engagieren.
Von Dirk Johnen

Bildzeile: Als Islam-Beauftragter der Evangelischen Kirche von Westfalen ist Pfarrer Ralf Lange-Sonntag (Bildmitte) seit September im Dienst. Jetzt ist er in einem Gottesdienst in der Stadtkirche St. Petri offiziell in sein Amt eingeführt worden.
Foto: Stephan Schütze