„Dieser Beruf ist mein Sechser im Lotto“

20.10.2026

Christoph Decker ist Krankenhaus-Seelsorger

Im Kirchenkreis Dortmund ist Christoph Decker der erste Krankenhausseelsorger, der kein Pfarrer ist. Erfolgreich abgeschlossene Fort- und Ausbildungen in den Bereichen Liturgie, Seelsorge und Beratung sowie Jahre an einer theologischen Fakultät ermöglichen es ihm, kompetent und umfassend für Menschen in Krisensituationen da zu sein. Durch seine eigene Lebensgeschichte mit einigen Brüchen und einem schweren Unfall ist er auch ein Vorbild für Patientinnen und Patienten.

Den Menschen Zeit schenken

Neben etlichen Gesprächen, die Christoph Decker in seinem Berufsalltag führt, lädt er einmal in der Woche zum Gottesdienst ein. Und zwar in beiden Kliniken, in denen er tätig ist: in der Johanniter-Klinik am Rombergpark für Rehabilitation und im Marienhospital Hombruch, einer Psychiatrie. Christoph Decker liebt die Liturgie. Und die Menschen. Und sie kommen gerne zu ihm. Denn er ist nahbar. Und: „Ich habe das größte Geschenk, das man Menschen im Krankenhaus machen kann: Zeit!“

Wer zu seinen Gottesdiensten kommt, der spürt: Hier ist jemand mit ganzem Herzen dabei. Er gibt Halt und Trost und Impulse zum Nachdenken. „Eine gute Predigt ist nicht die, die alle ganz toll finden, sondern die, die auch ein paar Fragezeichen in den Köpfen hinterlässt, evtl. Widerspruch auslöst“, sagt er. Heute geht es um „Alles hat seine Zeit“. Und da geht es neben den Jahreszeiten auch um die Zeit der Schmerzen, die Zeit der Rehabilitation, die Zeit, geduldig zu sein. Den Gottesdienstbesuchern, die alle mit Krücken, Rollatoren oder Orthesen gekommen sind, ist das aus eigener Erfahrung wohlbekannt.

Nach einem Unfall das Laufen wieder gelernt

Christoph Decker selbst auch. Der 53-Jährige hatte vor knapp 20 Jahren in einem Einsatz als Rettungsassistent einen schweren Unfall. Seine Wirbelsäule war mehrfach gebrochen. Christoph Decker wurde vielfach operiert, lag lange im Krankenhaus, war gelähmt. Mit viel Geduld und Gottvertrauen trainierte er seine Muskeln und konnte nach langer Zeit wieder laufen. Doch ein Bein blieb taub. Christoph Decker geht seitdem am Rollator. Wenn er Patientinnen und Patienten nun Mut zuspricht, macht ihn das besonders glaubwürdig.

Seinen Beruf als Rettungsassistent kann Christoph Decker seit dem Unfall natürlich nicht mehr ausüben. Und auch andere Zukunftspläne wurden zunichte gemacht: Seine Ehe, er war damals ein junger Vater, zerbrach. Auch seine Heimat in der katholischen Kirche war ihm kein Zuhause mehr, denn aufgrund seiner Scheidung durfte er dort, wo er sich immer engagiert und fortgebildet hatte, nicht mehr tätig sein. Und so konvertierte der überzeugte Christ und wurde nach reiflicher Überlegung (kurz zusammengefasst) evangelisch. Ein großer Schritt.

Gottes Liebe ist überall

Seinen Beruf als Krankenhausseelsorger empfindet er jetzt als Berufung. Und: „Das ist mein Sechser im Lotto.“ Alles, was ihm wichtig ist, kann er hier miteinander verbinden: Kirche, Glauben, Menschen, Kommunikation. Sowohl seine Ausbildung zum Prädikanten als auch als systemischer Berater kommen zum Einsatz. Ganz wichtig: Die Krankenhäuser sind barrierefrei, worauf Christoph Decker angewiesen ist. Er hat als körperlich erheblich beeinträchtigter Mensch, der lange auf Minijobbasis gearbeitet hat, wieder einen gut bezahlten Job. Und lebt zu Hause mit seinem inzwischen erwachsenen Sohn in einer „Männer-WG“, wie Christoph Decker es nennt.

So ist doch alles gut geworden! „Früher, nach dem Unfall, da war ich sauer auf Gott. Doch dann habe ich gemerkt, dass ich Vertrauen haben möchte, so, wie Jesus auch Vertrauen zu seinem Vater hatte. Denn jeder hat sein Kreuz zu tragen. Und Gottes Liebe ist überall!“

Angelika Herstell