„Orgeln der Zukunft“ ist eine Liebeserklärung an St. Reinoldi
Dieses Buch ist ein Schatz. Nicht nur für Musiker oder „Orgelfreaks“. Es ist für jeden spannend, der geschichtsinteressiert ist, der sich von Zeitdokumenten faszinieren lässt, etwa von alten Schwarzweißfotos, Notenblättern, Programmzetteln, von Fotokunst allgemein und von Geschichten, die berühren und uns in die bewegte Geschichte der Reinoldikirche entführen.
Das großformatige Buch „Orgeln der Zukunft – Die Orgeln von St. Reinoldi in Dortmund“ wurde von Michael Küstermann konzipiert und herausgegeben, der über 20 Jahre lang Pfarrer in der berühmtesten Dortmunder Stadtkirche war. Er zeichnet auch verantwortlich für die umfangreiche Restaurierung der Kirche und die Anschaffung der neuen Orgeln vor wenigen Jahren. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit dem Redakteur Jan Boecker, dem Fotografen Jan Heinze, der die Reinoldi-Orgeln aus allen erdenklichen Perspektiven imposant abgelichtet hat, und dem bekannten und renommierten Reinoldi-Kantor Christian Drengk, der natürlich die innigste Beziehung zu der Orgel hat.
„Mit dieser Orgel lässt sich alles darstellen“, sagt Drengk. „Vom Bachchoral über Orchesterstücke mit allen Instrumenten. Unsere Orgel hat beispielsweise eine wunderschöne Konzertflöte. Es gibt wenig Vergleichbares in Deutschland. Und genau wie die Orgelanlage überregional strahlt, soll auch das Buch strahlen.“
Die neue zweiteilige hochmoderne Orgel des Herstellers Mühleisen – mit einer großen Hauptorgel und der Chororgel – ist digital gesteuert, sie kann aber auch wie vor hundert Jahren rein mechanisch gespielt werden.
Das Buch „Orgeln der Zukunft“ zeigt uns die neuen und alten Orgeln aus allen möglichen Blickwinkeln. Bilder von der Fertigstellung und dem Aufbau der neuen Orgel, also Fotos von Tiefladern, Kränen und Baugerüsten, vermitteln einen Eindruck von dem großen Aufwand und den enormen Kosten, die damit verbunden waren.
Wer das Buch liest, der kann die Orgeln sogar hören! Denn mit Hilfe von QR-Codes ist es möglich, sich auf eine Zeitreise zu begeben und anhand von Konzertausschnitten zu lauschen, wie der Klang sich im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.
Neben den zahlreichen aktuellen Fotos gibt es Bilder von drei Besuchen Albert Schweitzers. Der berühmte Wissenschaftler, Arzt und Musiker hat die früheren Reinoldi-Orgeln tatsächlich auch gespielt. 1909, als er anlässlich des Dortmunder Bachfestes hier war, und dann nochmal 1928. Als er 1958 kam, griff er nicht selbst in die Tasten, würdigte aber mit großer Hochachtung den Wiederaufbau der Reinoldikirche und die neue hochwertige Walcker-Orgel.
Zu den besonderen Zeitdokumenten zählt sicherlich auch ein Titelblatt der „Dortmunder Radio-Rundschau“, das ein Interview mit dem unvergessenen Reinoldi-Kantor Gerhard Bunk ankündigt. Außerdem ein Plakat des Max-Reger-Festes 1910, einem „Volks-Konzert bei Anwesenheit des Komponisten“. Dortmund war gespannt auf das Aufsehen erregende musikalische Ereignis in der Reinoldi-Kirche.
Auf Christian Drengks Lieblingsseiten im Buch „Orgeln der Zukunft“ sind übrigens zwei große Innenansichten der Kirche zu sehen. Sie zeigen St. Reinoldi vor und nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Berührende Fotodokumente. Wie sehr das Gotteshaus dem Kantor ans Herz gewachsen ist, kann man aus jedem seiner Sätze heraushören.
„In dieser Kirche wird man geerdet. Tagsüber bin ich hier im Austausch mit anderen Menschen, nachts tauche ich tief in die besondere Stimmung ein. Ich kann hier kreativ sein, mich selbst verwirklichen und mit der Geschichte des Hauses verschmelzen.“
anhe
- Orgeln der Zukunft
Die Orgeln von St. Reinoldi
Herausgegeben von Michael Küstermann
Verlag Kettler
304 Seiten
36,- €
Quelle: Jan Heinze
Quelle: Jan Heinze
Quelle: Jan Heinze
Quelle: Jan Heinze
Quelle: Johannes Raab