Petra Kern über 40 Jahre Arbeit in der Kita
40 Dienstjahre! 40 Jahre am Stück, Vollzeit bei der Evangelischen Kirche! Angefangen hat es viel eher. Mit fünf Jahren stand für mich fest: Ich mache etwas mit Kindern. Der Grund des frühen Beschlusses war, eine schlimme, angstmachende und traurige Erfahrung in der Kinderklinik. Keinen Elternkontakt, nur Kinder, Ärzte, Schwestern, oft sehr streng und angstauslösend, manchmal sogar bedrohend. Einiges davon trage ich bis heute in mir. Meine geliebten Stoffhasen wurden misshandelt. All das wollte ich damals schon nicht für andere Kinder.
In der Schule „Gott sei Dank“, durch eine wunderbare Lehrerin gut angekommen, hatte ich immer kleine Kinder im Schlepptau. Übrigens fand ich auch den Kindergarten schrecklich, das muss wohl auch mit meiner Erfahrung in der Kinderklinik zu tun haben. Mit 14 Jahren dann in den Kindergottesdiensthelferkreis, von da an war für mich die Evangelische Kirchengemeinde Bodelschwingh eine Heimat. Konfirmandenfreizeiten, Ferienfreizeiten, Theater spielen und vor allem Gottesdienste mit Kindern gestalten waren mein größtes Hobby.
Ein Leitsatz aus dem zweiten, dem neuen Testament hat bis heute meine Haltung geprägt: „Was Ihr getan habt einem meiner Geschwister, einem Menschen, das habt ihr mir (Jesus) getan“ (Matthäus 25, Vers 40). Beeindruckt von all seinen Geschichten war und bin ich unterwegs.
1981 ins Vorpraktikum, dem Ziel meiner Kindheit „etwas mit Kindern machen“ weiter auf der Spur. Natürlich in meiner Evangelischen Kirchengemeinde in Bodelschwingh. Nach der zweijährigen Ausbildung zurück in die Kita in Bodelschwingh. Ich durfte einige Bodelschwingher begleiten, durch viele Gottesdienste, Taufen, den Kindergottesdienst, die Freizeiten und die Ausbildung in der Kita. Leben in und mit der Kirchengemeinde. Dafür bin ich bis heute Pfarrer Klaus Moser (leider 2008 verstorben) sehr dankbar.
So begann am 13. März meine Zeit, die als Jubiläumszeit anerkannt wird. Die Evangelische Markus-Kita im Dortmunder Norden wurde für ein Jahr mein Zuhause. Hier habe ich sehr viele unterschiedliche Kulturen, Religionen kennenlernen dürfen und habe als ganz junge Erzieherin gelernt, wie unterschiedlich Biografien von Familien sind. DANKE für diese Erfahrung, die mich noch heute prägt und mir für meine persönliche Entwicklung wertvolle Schätze mitgegeben hat.
Dann ging es drei Jahre nach Wanne–Eickel in die Röhlinghauser Kirchengemeinde. Eine sehr engagierte Einrichtung, ein beeindruckendes Team. Viele religionspädagogische Angebote und eine lebendige Kirchengemeinde, genau nach meinem Geschmack. Und „Gott gewollt“ traf ich Albrecht meinen Lebenspartner. Er wurde ab da mein Unterstützer in jeglicher Kita und der Gemeindearbeit und natürlich in meinem ganzen Leben.
Am 1. September 1991 ging es dann nach Mengede, als Gruppenleitung in die dreigruppige Kita. Leitung? Kam eigentlich in meinem Denken gar nicht vor. Doch die Gemeinde (besonders zwei Presbyterinnen und zwei Presbyter, die Pfarrer) wollte es anders. So begann ich im März 1992 als Leitung und schrieb Elternbriefe noch mit der Hand. Die ganze Zeit war Verkündigung des Glaubens, Erzählen der biblischen Geschichten, mein Steckenpferd und meine Begeisterung. Das Team der Kita Mengede, etwas später „Emscherwichtel“, macht sich seitdem auf den Weg in die Welt. Viele sehr engagierte Mitarbeitende durfte ich begleiten, ausbilden und als Kolleginnen begrüßen. Viele Kinder kommen und gehen und viele sind mir heute noch vertraut. Sie kommen zurück als Praktikant*innen, als Mitarbeitende und/oder bringen ihre eigenen Kinder in die Einrichtung.
In den Jahren bei den Emscherwichteln durfte ich die Ausbildung zur Prädikantin/Laienpredigerin der Kirchengemeinde machen und somit offiziell Gottesdienste, Taufen und Beerdigungen vorbereiten und durchführen. Dies ist mir oft eine besondere Ehre, Kitakinder oder auch Erwachsene taufen zu dürfen. Als Kindertrauerbegleiterin durfte ich Familien begleiten und beraten – auch dies ist mir ein Anliegen: Menschen in den schwierigen Situationen zur Seite zu stehen, denn sich von einem Menschen, einem Lebensentwurf oder einer Vorstellung von Leben zu verabschieden, ist ein Prozess der Trauer, die gelebt werden muss.
Genau aus diesem Grund ist die Zusammenarbeit mit dem Altenheim eine sehr große Bereicherung für alle Beteiligten. Die Kinder begegnen Menschen im hohen Alter, sie machen mit ihnen Sport, sie singen und tanzen mit ihnen, und so lernen die Generationen voneinander. Wir feiern zusammen Gottesdienste – und so war es mir in den vielen Jahren eine besondere Ehre, dem Presbyter, der mich eingestellt hat, mit 103 Jahren kurz vor seinem Tod das Abendmahl zu bringen. Es war eine solche Verbundenheit und ein solches Leuchten in seinen Augen, das mich noch heute sehr tief bewegt.
All diese Dinge haben meine Haltung, mein Gottesbild gefestigt, aber auch verändert. Gott ist die Schöpfung und Jesus das große Vorbild. Sein Leben und besonders seine Geschichten und Gleichnisse sind tief in mir und wollen raus, wollen weitergegeben werden. Und wenn mich jemand fragt: Woher nimmst du deine Kraft? Dann kann und darf ich antworten: aus der Natur mit all den Pflanzen und Tieren und aus den Herzen und Augen der Menschen, die mir begegnen. In all diesem ist die Kraft der Schöpfung zu spüren. Die strahlenden Kinderaugen, wenn wir singen oder Geschichten hören. Oder die große Aufführung eines Kindermusicals mit Oliver Fietz.
Es hat sich viel geändert, die Betreuungszeiten sind länger geworden, der Computer ist ständiger Begleiter, die Medien bestimmen oft unser Leben und die Welt ist unsicherer geworden. Deshalb ist die Kita ein wichtiger Ort für die Kinder, ein Ort, um ganz Kind sein zu dürfen, um sich selbst zu erforschen und die Welt. Um selbsttätig und selbständig zu werden. Ein Ort, der eine Heimat ist für die Zeit der größten Entwicklung des Lebens!
Ich bin dankbar für jedes Lächeln, jedes Gänseblümchen aus der Hand eines Kindes, für alle Eltern, die für diese Kinder brennen und die Einrichtung unterstützen, für jede Anregung und Kritik, jede gemeinsame Aktion und Unterstützung. Kein materielles Geschenk kommt dagegen an.
Danke an Euch alle, die ihr mich begleitet habt und ich Euch begleiten durfte und hoffentlich auch begleiten werde. Denn der Weg geht weiter, auch nach 40 Jahren. Und ich hoffe, Ihr geht mit?! Ihre und Eure Petra Kern.
Bild: Ralf Obernierdas Team
Bild: Ralf Oberniervon Petra Kern.
Fotos: Ralf Obernier