„Ein Vorbild für andere Städte“

08.09.2026

Oberbürgermeister würdigt das Fußballturnier anlässlich des 20. Jubiläum

Alexander Kalouti war des Lobes voll: „Sie leisten hier vorbildliche Arbeit und sind ein Vorbild für andere Städte.“ Er betonte, dass die Veranstaltung bundesweit einmalig sei und die Stadtspitze voll dahinterstehe.

Gerne hörten diese Worte Pfarrer Friedrich Stiller, der Sprecher des Trägerkreises und Initiator des Projektes, Ogün Arpaci für die Muslime und Alexander Krimhand für die jüdische Seite. Sie begrüßten die Mannschaften und erinnerten an die Anfänge: „Wir hätten niemals gedacht, dass aus einer spaßigen Idee solch ein großes Projekt wird, das 20 Jahre Bestand hat.“ „Heute bringt das Fußballturnier der Religionen wieder jüdische, christliche und muslimische Menschen zusammen. Wir sind froh, dass es geklappt hat, und danken dafür Gott“, meint Krimhand. Stiller fuhr fort: „Wir setzen damit ein deutliches Zeichen in schweren Zeiten: für den Dialog der Religionen trotz der vorhandenen Unterschiede im Glauben.“ Und Arpaci ergänzte: „Und für ein friedliches Miteinander in Dortmund trotz der vorhandenen Meinungsunterschiede.“

Acht Mannschaften waren dieses Mal angetreten und kämpften um den Jubiläumspokal „Anstoß zum Dialog“, darunter drei muslimische, zwei christliche, eine jüdische und auch zwei religiös gemischte. Im 1. FC Dialog spielen sogar Spieler aus allen drei Religionen zusammen, dabei auch der schon 80-jährige, aber topfitte Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Zwi Rappoport.

DITIB-Jugend gewinnt den Jubiläumspokal

Der Tag begann mit einem spektakulären Einzug der Mannschaften unter den Klängen einer Marching-Band, vorneweg das Banner „Religionen für Frieden und Dialog“. Am Ende des dreistündigen Turniers gab es ein Endspiel zwischen der  eritreisch-orthodoxen Mannschaft und dem Team der DITIB‑Jugend Region Ruhrgebiet, das die muslimische Truppe knapp mit 1:0 für sich entschied. Der Dauersieger der Vorjahre, das Team von Makkabi, musste sich dieses Mal mit dem fünften Platz begnügen.

Gemeinsamer Friedensgruß der Religionen

Die innere Mitte der ganzen Veranstaltung kam aber schon vorher zum Ausdruck, beim Friedensgruß der Religionen, bei dem dieses Mal Rabbiner Avigdor Nosikov, die stellvertretende Superintendentin Leonie Grüning und Ahmad Aweimer vom Rat der muslimischen Gemeinden  sprachen. Sie mündete in die Dortmunder Selbstverpflichtung, einen kurzen Text, den alle Spieler und das Publikum mitsprachen: „Wir wollen einander mit Respekt begegnen“, heißt es darin zum Beispiel.

Vielfältiges Programm für 350 Gäste

Rund 350 Menschen waren gekommen, verfolgten die Spiele und vergnügten sich am umfangreichen Begleitprogramm mit diversen Spielangeboten, einem parallelen Fußball-Kinderturnier, einer Jugendrallye und kulinarischen Genüssen des nahegelegenen evangelischen Kindergartens und der Evinger Moschee. Alles getragen von vielen Ehrenamtlichen, die die gute Sache unterstützen. Einen fortlaufenden Kommentar zum Spielgeschehen sprachen wie in den Vorjahren der Dortmunder Kabarettist Bruno Knust und der Sportexperte Gerd Kolbe.

Festschrift blickt auf 20 Jahre zurück

Aus Anlass des Jubiläums wurde auch eine Festschrift veröffentlicht, die aus den zwei Jahrzehnten berichtet, mit einer bebilderten Chronik und Eindrücken der Beteiligten. Interessant auch mehrere Beiträge, die dieses einmalige Projekt auch aus Sicht des Interreligiösen Dialogs würdigen und über ähnliche Sportprojekte in Deutschland berichten. Dadurch ist die umfangreiche Broschüre auch über den Tag hinaus lesenswert. Druckexemplare können im Haus der Kirche, Referat für Gesellschaftliche Verantwortung, abgeholt werden, Kontakt: rgv@ekkdo.de.   

Friedliches Turnier zu Unrecht belastet

Ereignisse am Rande zeigten, wie notwendig die Veranstaltung und ihr Bekenntnis zum friedlichen Miteinander sind. Am selben Tag gab es am anderen Ende des Hoeschpark auf einem anderen Sportplatz gewalttätige Konflikte bei einem Spiel der Kreisliga, das sogar einen Polizeieinsatz nötig machte. Fälschlicherweise wurden diese Vorgänge in den Medien zeitweise mit dem Fußballturnier der Religionen in Verbindung gebracht, was die Dortmunder Polizei aber anderntags in einer Pressemitteilung klarstellte. Die Veranstalter des Fußballturniers beklagen allerdings, dass die auf Toleranz und Ausgleich gerichtete Veranstaltung ansonsten von den Dortmunder Medien kaum beachtet wurde. „Offensichtlich gibt es wenig Interesse an guten Nachrichten beim Miteinander der Religionen“, so die Bilanz von Stiller für den Trägerkreis.

Vom Freundschaftsspiel zum Großereignis

Das Fußballturnier der Religionen findet seit 2006 statt, seit 2008 im Hoeschpark. Begonnen hat es als Freundschaftsspiel evangelischer Pfarrer und Dortmunder DITIB‑Imame. Der Auslöser war die WM 2006, der erste Schirmherr der damaligen WM-Beauftragten der Stadt, Gerd Kolbe. Danach übernahmen Bürgermeisterin Birgit Jörder und dann die jeweiligen Oberbürgermeister diese Aufgabe. Organisiert wird die aufwändige Veranstaltung von einem Trägerkreis, getragen vom Evangelischen Kirchenkreis, den DITIB-Moscheen und dem Rat der muslimischen Gemeinden sowie der Jüdischen Kultusgemeinde und dem jüdischen Sportverein Makkabi. Hauptsponsor war in diesem Jahr das Bundesprogramm „Weißt Du, wer ich bin“. Weitere Unterstützer waren das Kommunale Integrationszentrum der Stadt, die Evangelische Bank für Kirche und Diakonie und der A&B‑Sicherheitsdienst. Die Turnierleitung und das Schiedsrichterteam stellten wieder der Dortmunder Fußball- und Leichtathletikverband.


Kicken für den interreligiösen Dialog

Das Fußballturnier der Religionen wird 20 Jahre alt

Von Erik Benger

Dortmund und Fußball, das gehört einfach zusammen. So ist es nicht verwunderlich, dass es in Dortmund ein Fußballevent gibt, das einmalig in Deutschland ist: das Fußballturnier der Religionen. Seit nun schon 20 Jahren kicken die drei abrahamitischen Religionen miteinander, gar nicht so sehr für den Siegerpokal, sondern vielmehr für den interreligiösen Dialog.

Am Anfang war das Freundschaftsspiel

Begonnen hat das Fußballturnier der Religionen gar nicht als Turnier als solches, sondern als Freundschaftsspiel zwischen den Pfarrern des Ev. Kirchenkreises Dortmund und den Imamen und Hodschas der muslimischen Gemeinden. Der Auslöser war die WM 2006, bei der auch Dortmund Austragungsort war. Pfarrer Friedrich Stiller, Leiter des Referats Gesellschaftliche Verantwortung des Ev. Kirchenkreises Dortmund, erinnert sich noch genau: „Die Idee entstand aus einem Gespräch am Rande mit meinem muslimischen Freund, Ögun Arpaci.“ Schnell war klar, dass das Ganze dann aber auch einen entsprechenden Rahmen benötigt. „Wir nahmen daher den damaligen WM-Beauftragten der Stadt, Gerd Kolbe, als Schirmherren“, so Stiller. Als Austragungsort wählten sie das Stadion Rote Erde.

Beim ersten Spiel kamen knapp 50 Zuschauer*innen und mehrere Dutzend Journalist*innen. „Sogar das heute journal des ZDF war da und berichtete noch am selben Abend über die Veranstaltung“, erzählt Stiller. Über die Jahre hinweg hatte sich das Spiel dann immer weiter verändert. Erst kam ein Kinderturnier dazu und irgendwann auch ein Herrenspiel. Der Grund: Auf der muslimischen Seite wollten immer mehr mitkicken. Auch der Austragungsort wechselte. Seit 2008 wird im Hoeschpark gespielt.

Das Programm am Spielfeldrand, das seit jeher die Spiele begleitet, entstand auf Anraten der ehemaligen Bürgermeisterin Birgit Jörder, als damalige Schirmherrin. „Sie sagte: Nur Fußball ist langweilig, ihr müsst auch ein Angebot machen. Und da hatte sie recht“, berichtet Stiller. Das Turnier wurde seitdem von vielen Partnern unterstützt, zum Beispiel von der Jugendabteilung des Stadtportbunds oder dem Kindermuseum Mondo Mio!.

1:0 für den Dialog

Von Anfang an waren alle drei Religionen vertreten. Zwar bestanden die Mannschaften zuerst nur aus Christ*innen und Muslim*innen, aber der Schiedsrichter war Jude. Auf diese Idee kam Friedrich Stiller kurz vor dem ersten Spiel und griff zum Hörer: „Ich habe bei der jüdischen Gemeinde angerufen und wurde dann zum Vorsitzenden des Sportclubs Makkabi durchgestellt, der sagte: Ich besorge euch einen Schiedsrichter“, schildert Stiller. Auf der jüdischen Seite war man so begeistert, dass sie das Spiel ab dem zweiten Jahr mitorganisierten.

Bis 2018 gab es das Spiel der Theologen als Hauptspiel. Erst nach der Pandemie entwickelte sich dann das Turnier so, wie es heute ist. Für die Neuauflage war klar: Es müssen mindestens acht Mannschaften sein, die jeweils einer der drei abrahamitischen Religionen angehören. „Da haben wir relativ lange herumgesucht“, sagt Stiller. Eine dieser Mannschaften ist der 1. FC Dialog, in dem alle drei Religionen in einem Team vereint sind.

Dass dieses Turnier für mehr als nur einen Wettkampf steht, macht sich besonders am Rande des Spielfelds bemerkbar. Wenn zum Beispiel der Rabbiner zum Vertreter der Muslime geht und ihn als „Freund“ bezeichnet: „Das ist natürlich so ein Moment, der zeigt, das ist der Sinn der Sache“, so Stiller. Auch der Friedensgruß der Religionen, zu Beginn oder zum Ende des Turniers, ist für Friedrich Stiller immer ein Gänsehautmoment. Hier zeigt sich der Kern der Veranstaltung: der interreligiöse Dialog.

Ungewisse Zukunft

Doch die Zukunft des Fußballturniers der Religionen ist ungewiss, der Grund: Friedrich Stiller geht nächstes Jahr in den Ruhestand. Als wichtige Figur hinter der Organisation des Turniers, hinterlässt er eine Lücke, und wer auf ihn folgt, steht noch nicht fest. Doch Stiller sieht das gelassen: „Wir haben das Turnier sowieso immer nur von Jahr zu Jahr geplant.“ Er wünscht sich, dass es auch ohne ihn weitergeht.