6 Uhr
Dienstbeginn der Diakonischen Pflege Dortmund. Täglich ist einer der größten ambulanten Pflegedienste unserer Stadt für Menschen da, die Unterstützung im Alltag benötigen. Der Heilige Abend ist dabei einer von 365 Tagen, an denen die Kleinwagen der Diakonie aus sechs Diakoniestationen durch das Stadtgebiet rollen. Und so fährt auch Sonia Teixeira in der Diakoniestation Mitte-Nord im Kaiserviertel los und ist gegen 6.10 Uhr bei ihrer ersten Kundin. „Viele der Menschen, die wir täglich besuchen sind, sehr früh wach, und freuen sich, wenn wir da sind zum Start in ihren Tag“, so die Pflegefachkraft der Diakonie.
Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen begleiten Menschen bei einem möglichst langen, sorgenfreien Leben in ihrer vertrauten Umgebung – unabhängig von Krankheit, Alter, Nationalität oder Religion. Trotz der routinierten Abfolge, den gelernten Handgriffen und den bekannten Adressen ist die Arbeit mitten in der Weihnachtszeit natürlich auch für Sonia Teixeira etwas Besonderes: „Es ist schön, in die Wohnungen zu kommen und zu sehen, dass vielen der Menschen, die sich uns anvertrauen, ein schöner Tag bevorsteht, für viele im Kreise ihrer Lieben. Nicht nur die Lichterketten leuchten.“ Die Tour der 23-Jährigen führt im Osten der Stadt bis nach Körne, auch die Bezirke Innenstadt Nord und West werden aus dem Kaiserviertel angefahren. Gegen 13 Uhr endet die Tour für Sonia Teixeira wieder dort, es bleibt also noch etwas Zeit für das eigene Weihnachtsfest, bevor es am 1. Feiertag wieder in aller Frühe losgeht.
12 Uhr
Erzieherin Daniela Hansen beginnt ihre 24-Stunden-Schicht in der Aufnahme-/Diagnosegruppe „Die Pubertiere“ im Evangelischen Jugendhilfezentrum Johannes Falk. Seit vielen Jahren ist Heiligabend für die 47-jährige Erzieherin ein gesetzter Arbeitstag. In ihrer Wohngruppe, in der sieben Kinder von 7 bis 12 Jahren leben, steht bereits der gemeinsam geschmückte Baum. Fünf Kinder verbringen Heiligabend hier, der Rest verbringt die Feiertage oder die Ferien in der eigenen Familie. In dem Jugendhilfezentrum leben Kinder und Jugendliche, die Unterstützung in familiären Krisen brauchen. Gemeinsam mit der Familie sowie dem Jugendamt, der Schule oder Ausbildungsstätte oder anderen psychosozialen Fachdiensten entwickelt die Diakonie hier Hilfen, die der Situation jedes einzelnen Kindes entspricht.
„Wenn ich komme, gehen wir erstmal an die frische Luft und powern uns etwas aus. Dann wird in der Gruppe ein Dreigänge-Menü gekocht, alle helfen beim Eindecken usw. Dann essen wir gemeinsam und ganz feierlich. Es wird auch gesungen. Anschließend duschen oder baden die Kinder und treffen sich im Wohnzimmer, wo wir alle gemeinsam einen Weihnachtsfilm schauen“, erläutert Hansen, der Höhepunkt des Abends ist dann ganz nah: „Plötzlich liegen die Geschenke unterm Baum.“ Auch
Spenden von Privatpersonen oder Firmen der Umgebung finanzierte Geschenke dabei. Niemand geht leer aus. „Im Anschluss dürfen die Kinder ausnahmsweise länger wach bleiben, natürlich lesen wir auch die Weihnachtsgeschichte. Am Vormittag brunchen wir dann gemeinsam mit allen Kindern, die im Haus sind“, sagt Daniela Hansen.
13 Uhr
Die Evangelische Stadtkirche St. Marien in der Innenstadt wird schon am Vortag festlich vorbereitet. Für das Küster-Ehepaar Brigitte und Walter Schröer beginnt der Dienst am Heiligen Abend um 13 Uhr. „Mein erster Gang führt mich immer zur Krippe“, erzählt Brigitte Schröer. Die steht bereits seit dem 16. Dezember unter den Tannen, nun fügt die Küsterin auch Maria, Joseph und die Hirten hinzu und legt vorsichtig das Kind ins Stroh. Die Heizung wird elektrisch gesteuert, und für die Lichterkette im Baum hat der Küster irgendwann eine Fernbedienung angeschafft: „Die Steckdose ist hinter den Bäumen, da müsste man sonst krabbeln.“
Nach 27 Jahren im Dienst hat das Paar viel Routine. „Und auch die Gemeinde ist ziemlich traditionell.“ Um 14:30 Uhr startet der Familiengottesdienst. Im 16-Uhr-Gottesdienst, den in diesem Jahr Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann verantwortet, singt der Chor und um 18 Uhr immer eine Solistin. „Die Predigt hält unser früherer Pastor Ingo Maxeiner.“
Zwischen den Gottesdiensten ist nicht viel Zeit. Die Liedzettel, die Brigitte Schröer längst kopiert hat, werden am Eingang verteilt und nach dem Gottesdienst schnell wieder eingesammelt. „Es muss flott gehen, oft kommen schon die nächsten Gäste.“ Nach dem dritten Gottesdienst am Heiligen Abend stecken Brigitte und Walter Schröer gegen 19 Uhr noch die Lieder für den Gottesdienst mit Abendmahl am 1. Feiertag – und haben dann Feierabend.
14 Uhr
Nach einem eher privaten Vormittag greift Stefanie Elkmann, Pfarrerin in der Elias-Kirchengemeinde, nach dem Mittagessen zu ihrer Tasche und verlässt das Pfarrhaus in Kley. In der Tasche befindet sich ihr Talar – sie selbst trägt zu diesem Zeitpunkt schon „Zwiebellook“. „Unsere Kirchen sind aus ökologischen Gründen nicht geheizt, darum trage ich an Weihnachten Skiunterwäsche“, verrät die sympathische Pfarrerin lachend. Nach einem Zwischenstopp im Gemeindehaus, wo sie die Kostüme für das Krippenspiel abholt, fährt sie in diesem Jahr erstmals in den Dorneywald nach Oespel. Auf einer Lichtung startet dort um 15:30 Uhr das „Krippenspiel im Wald“. „Die Idee, nach draußen zu gehen, kam natürlich während der Coronazeit auf. Aber alle fanden das so schön, dass wir das an zwei unserer drei Standorte – in Dorstfeld und in Oespel – beibehalten haben“, erzählt die Theologin, die, ebenso wie ihre beiden Kolleg*innen Kerstin Schiffner und Christian Höfener-Wolf, am Heiligen Abend insgesamt drei Gottesdienste feiert. Zusätzlich feiert einer von ihnen – in diesem Jahr Pfarrerin Kerstin Schiffner – schon um 11 Uhr einen Gottesdienst mit den Bewohner*innen im Seniorenhaus Vinzenz.
Zum Klang des Posaunenchores verwandeln sich um 15.30 Uhr die Krippenspielkinder in Maria, Joseph, Hirten, Engel und Tiere – dank einfacher „Überzieher“ passen die Kostüme alle Jahre wieder, auch über dicke Winterjacken. „Das ist wirklich süß, die Kostüme haben wir selber genäht und obendrüber tragen alle durchsichtige Ponchos, falls es regnet.“ Damit es nicht zu dunkel ist, haben alle Kinder ihre Martinslaternen dabei und beleuchten den Weg und das spezielle PopUp-Krippenspiel.
„Danach geht es direkt weiter zur Christvesper mit Konfis und den Presbytern“, zählt Steffi Elkmann auf. Auch die beginnt in allen drei Kirchen parallel um 17 Uhr. Begleitet von Orgelmusik feiert ein Großteil der Gemeinde vor der Bescherung. Andere besuchen um 23 Uhr die Christmette, die in der Regel musikalisch a capella gestaltet oder von einem Solo-Instrument begleitet wird. „Danach gibt’s einen Glühwein – und dann geht es ab nach Hause“ für die Pfarrerin.
17 Uhr
Seit über 30 Jahren veranstaltet die Diakonie in Dortmund die Weihnachtsfeier für wohnungslose Menschen an Heiligabend. Viele Haupt- und rund 20 Ehrenamtliche der Diakonie freuen sich heute auf rund 150 Gäste. Im Reinoldinum am Schwanenwall dampfen bereits die Warmhaltebehälter, da machen ab 17 Uhr erstmal Kaffee und Kuchen die Runde. Auf die Besucherinnen und Besucher wartet ein abwechslungsreiches und feierliches Programm voller Köstlichkeiten, aber auch mit musikalischer Begleitung und einer kleinen Andacht. Für viele Gäste ist dies der wichtigste Programmpunkt. Innehalten, Wärme und Nächstenliebe spüren. „Ich komme auf der Feier regelmäßig mit Gästen ins Gespräch, denen es wichtig ist, zum Beispiel die Weihnachtsgeschichte zu hören, die ja auch von Menschen erzählt, die keine heile Welt haben und auf der Suche nach Obdach sind. Daraus schöpfen unsere Gäste häufig neue Kraft, vielleicht der ein oder andere auch, um seine eigene Lebenssituation aktiv zu verbessern. Dabei sind wir als Diakonie ihnen ein wichtiger Begleiter und Ansprechpartner“, so Diakoniepfarrer Niels Back zu den Hilfsangeboten für Wohnungslose der Diakonie, die auch in diesem Jahr von über 2000 Menschen genutzt wurden. Am Ende der Heiligabendfeier werden wieder Weihnachtstüten mit zahlreichen Sachgütern ausgegeben, darunter Süßigkeiten, Hygieneprodukte und weitere nützliche Geschenke. Der Dezember ist für viele wohnungslose Menschen eine besonders schwere Zeit, nicht nur wegen der Kälte. „Emotionen gehen in alle Richtungen, dem wollen wir einen entsprechenden Rahmen bieten und feiern, aber auch zuhören“, so Niels Back. Ermöglicht wird die Weihnachtsfeier für wohnungslose Menschen jedes Jahr durch viele Spenden und den Einsatz von Ehrenamtlichen sowie zahlreichen Diakonie-Mitarbeitenden, die ihren eigenen Heiligen Abend verwenden, um die Feier mitzugestalten.
23 Uhr
Wenn in vielen Wohnzimmern die Geschenke schon ausgepackt und die Lichterketten wieder ausgeschaltet sind, fängt für Ralf Greth, Pfarrer in Syburg / Auf dem Höchsten, Weihnachten erst an. Gegen 21.40 Uhr verlässt er gemeinsam mit der Familie das heimische Wohnzimmer. „Vorher haben wir gemütlich zusammen gegessen; weil wir in diesem Jahr Gäste aus Chile zu Besuch haben, gibt es verschiedene vegetarische und nicht vegetarische Gerichte, nichts Traditionelles.“ Der Theologe freut sich, dass dafür genug Zeit bleibt, „denn die Gottesdienste um 16 und um 18 Uhr macht meine Kollegin Karin Kamrowski.“
Ab etwa 21:50 Uhr singt sich der Chor unter der Leitung von Christoph Hamburger ein; der Küster trifft die letzten Vorbereitungen. „Und ich steh eigentlich vor allem rum und genieße unsere wunderschöne Kirche St. Peter zu Syburg und schau mir die Krippe und den Baum an.“ Und dann wird es besinnlich. Die fast 1200 Jahre alte Kirche ist am Heiligen Abend nur von Kerzen erleuchtet, die die Gottesdienstbesucher am Eingang zusammen mit einem Liedblatt bekommen. Denn gesungen wird reichlich – im letzten Jahr kam man auf zehn Lieder. An der Hohensyburg geht es familiär zu – viele der Feiernden kennen sich auch privat, und so folgt auf den Gottesdienst, der um 23 Uhr beginnt, meist noch ein fröhliches Feiern und Geschenke-Überreichen, das meist erst gegen ein Uhr in der Nacht endet. „Und wenn wir dann wieder zu Hause sind, gibt es Bescherung.“ Lange ausschlafen geht am 1. Weihnachtsfeiertag trotzdem nicht – um 11 Uhr steht Ralf Greth dann schon wieder in der Kirche und feiert Gottesdienst mit Abendmahl mit seiner Gemeinde.