Über 50 Vieraugengespräche bei „Dortmund spricht“
An vielen kleinen Tischen sitzen sich auf dem Opernplatz jeweils zwei Gesprächspartner gegenüber. Bei schönstem Wetter – geschützt unter Sonnenschirmen. Sie waren bisher nicht miteinander bekannt und reden nun über das Leben in Deutschland, im Ruhrgebiet und in ihrer Heimatstadt.
Die Aktion „Das Ruhrgebiet spricht“, die zeitgleich auf Initiative der Evangelischen Stadtkirchen in Dortmund, Duisburg, Essen und Bochum stattfindet, hat sie zusammengeführt. Zuvor haben sie schon bei der Anmeldung online einen Fragebogen ausgefüllt und sind dann einander zugeordnet worden. Dabei sollten sie möglichst unterschiedlicher Meinung sein, um viel Gesprächsstoff zu haben.
Demokratie erlebbar machen
Pfarrerin Susanne Karmeier vom Organisationsteam findet, dass durch „Dortmund spricht“ Demokratie erlebbar und erfahrbar wird und dass bei der Aktion nicht nur das Reden, sondern auch das Zuhören extrem wichtig sei. Sie genießt den Tag zwischen all den Menschen: „Es war schon toll, wie neugierig alle hier auf dem Opernvorplatz ankamen.“ Das Gemurmel der Gespräche klinge angeregt und die Stimmung sei ausgesprochen entspannt.
An einem der Tische reden Frank (56) und Nazmiye (57) miteinander. Zu der Frage der Wehrpflicht haben sie konträre Einstellungen. Frank ist gegen, Nazmiye ist für die Wehrpflicht. Aber während ihrer Unterhaltung merken sie, dass sie im Grunde meinungsmäßig gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Und so wenden sie sich nach politischen Fragen anderen Themen zu. Frank sagt: „Nazmiye hat mich daran erinnert, dass ich meinen Blick mehr auf das Schöne im Leben richten könnte.“ In letzter Zeit habe er sich manchmal geärgert und ganz vergessen, wie viel Gutes es beispielsweise in der Natur zu bestaunen gäbe. Nazmiye strahlt: Der positive Funke ist offenbar übergesprungen.
Eine bunt gemischte Teilnehmerschaft
Pfarrerin Susanne Karmeier, die „Dortmund spricht“ zusammen mit Uta Schütte-Haermeyer von der Diakonie und Theaterchef Tobias Ehinger auf die Beine gestellt hat, berichtet, dass die Teilnehmerschaft in diesem Jahr diverser sei als im letzten Jahr. So seien mehr junge Leute im Alter von 16 bis 25 gekommen. Und auch der kulturelle und religiöse Hintergrund der Gesprächspartner sei bunter als 2025.
Bei den ausgefüllten Fragebögen im Vorfeld der Aktion sei auffällig, dass zwei Fragen offenbar regelrechte „Knackthemen“ berühren. Die Frage nach der Wehrpflicht und die Frage „Wird Künstliche Intelligenz unser Leben verbessern?“ Da scheiden sich die Geister. Die Antworten liegen bei fast „fifty-fifty“ pro und kontra.
Nach eineinhalb Stunden ist „Dortmund spricht“ vorbei und Teilnehmerin Jasmin sagt resümierend: „Es hat sich gelohnt, Zeit zu investieren und sich zu öffnen.“ Auch bei ihr und ihrem Gesprächspartner Winfried lag der einzige Dissens beim Thema Wehrpflicht. Ihr Gespräch sei angeregt und anregend gewesen. Und beide können sich gut vorstellen, nächstes Jahr wieder mitzumachen bei „Dortmund spricht“.
anhe
Bild: Angelika Herstell
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