Niemand muss pünktlich sein für diesen besonderen Heiligabend in der Ev. St. Petri-Nicolai-Gemeinde, und um das Krippenspiel zu sehen, muss die Gemeinde nicht die Hälse recken: Es ist Platz für alle da.
Entstanden in der Pandemie-Zeit mit ihren strengen Auflagen, als Menschen erst draußen, dann grüppchenweise auch in Innenräumen zusammenkommen konnten, hat sich das offene Heiligabend-Konzept der Martin-Kirche auch in den vergangenen Jahren bewährt: „Wir nehmen einen Großteil der Stühle weg und bauen auf dem freien Platz mehrere Stationen auf“, erklärt Pfarrerin Miriam Helmert. „Wenn etwas frei ist, schicken wir eine neue Gruppe mit 10, 15 Leuten hinein.“
Will heißen: Wer in der Gottesdienstzeit von 15 bis 17 Uhr an Heiligabend zur Martin-Kirche kommt, darf ganz entspannt die einzelnen Anlaufpunkte erleben, die das zehnköpfige überwiegend ehrenamtliche Team aufgestellt hat. Ankommende können am Eingang etwas schreiben, malen oder gestalten, das sie selbst am Ende des Rundgangs an den großen Baum hängen dürfen – vielleicht einen Wunsch, eine Bitte, ein Dankeschön oder ein Bild; Buntstifte und Kugelschreiber liegen bereit.
Drinnen gibt es zum Beispiel den Krippenspiel-Film, den die Konfirmand*innen schon Wochen vorher erdacht und erstellt haben – in jedem Jahr ein neuer Film der Konfis, die sich auf diese Weise ins Gemeindegeschehen einbringen. „Er dauert fünf, sechs Minuten und erzählt die Weihnachtsgeschichte“, erklärt die Pfarrerin. „Das Tolle ist, dass unsere Kirche rund ist, mit weißen Wänden. Eine riesige Projektionsfläche.“ Wer mag, kann sich beim Zuschauen hinsetzen.
Dann ist da die erweiterte Krippe, die die Kirche einem ehemaligen Pfarrer aus dem Erzgebirge verdankt: „Mehrere Dutzend Figuren, terrassenförmig angeordnet, die ganz viele Bibelgeschichten erzählen – der Weihnachtsberg ist wie ein Ritt durch die Heilsgeschichte“, sagt Miriam Helmert und weiß: „Hier stehen die Leute und gucken und gucken.“
Auch Musik gibt es natürlich, mit E-Piano, Liedblättern und Stühlen. „Im letzten Jahr sind die Gruppen, die den Film gesehen hatten, rüber zum Singen“, erinnert sich Helmert. Wie es diesmal sein wird? Überraschung! Eine klassische Predigt gibt es nicht, die ist in den Konfifilm mit eingebaut.
Was es aber gibt, ist Segen. Und zwar persönlich: „Möchten Sie einen Weihnachtssegen?“, fragt die Pfarrerin am Ende der Runde die Besucher – Alleinstehende, Paare, Familien, sogar eine ganze Straße, die seit dem ersten Gottesdienst unter Corona-Bedingungen, damals noch draußen und mit ihren Hunden, immer wiederkommt und sich am Ende als Gruppe auch segnen lässt. „Dann gehen alle beschwingt nach Hause“, sagt Miriam Helmert, „das ist total schön. Danach beten wir das Vaterunser mit dem Team und räumen auf – und so ist für uns auch Weihnachten“.