Heiraten bei 38 Grad – „Einfach Ja“ gesagt in Dortmund

29.06.2026

Mehr als 50 Paare nutzen die Aktion #einfach heiraten im Evangelischen Kirchenkreis – spontan, unkompliziert und voller Emotionen

„Das Datum war uns gar nicht bewusst – uns hat das Unkomplizierte, das Einfache angesprochen. So würden wir uns als Paar beschreiben, und so wollten wir auch heiraten.“ Dieser Tag wird Pauline und Daniel Seelberg wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Vermutlich ist es der heißeste Tag, den die beiden 28-Jährigen hier in der Region erlebt haben – das Thermometer vor der Alten Kirche in Wellinghofen zeigt am Nachmittag 38 Grad. Zudem ist heute der 26.6.2026 – ein Datum, das man sich leicht merken kann. Unvergesslich wird dieser Tag für das junge Paar aber vor allem, weil sie heute „Ja“ zueinander gesagt haben – so wie mehr als 50 Paare, die am sonnigen Freitag im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund an der bundesweiten Aktion „#einfach heiraten“ teilgenommen haben.

Ein leichtes Sommerkleid, ein kariertes Hemd – so sind die beiden Bochumer am Mittag angereist. Ohne Trauzeugen, ohne Familie, ohne ihre Freunde. Die wissen zwar alle Bescheid – doch vor Gott und Pfarrerin Laura Frerer-Kidane will das Paar ohne Anhang treten, soll ihre Liebe dreieinhalb Monate nach der standesamtlichen Trauung nun auch noch gesegnet werden. „Die Familie akzeptiert das, meine Eltern sind sogar im Urlaub“, erzählt Daniel.

Spontan, ohne großes Drumherum

Ohne Anmeldung, ohne steife Regeln, ohne Kosten – eben „einfach“, so sollte das Heiraten nach dem Wunsch der Initiatoren heute funktionieren. Und tatsächlich: Es gibt nur vereinzelt prunkvolle Brautkleider und keine perfekt arrangierten Buffets – dafür nur glückliche Gesichter in den vier beteiligten Kirchen in Brackel, Marten, Lünen-Horstmar und Wellinghofen.

Liebevoll dekorierte Kirchen und Gemeindesäle, im Schatten alter Bäume Pavillons mit Luftballons und Herzen, Slush-Eis und perlender, alkoholfreier Sekt sowie jede Menge Wasser – die zahlreichen Ehrenamtlichen aus den beteiligten Gemeinden haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um den Tag für die Paare unvergesslich zu machen. Die Kosten übernimmt heute die Kirche – ein charmantes Detail, das bei den Heiratswilligen aber sicher nicht den Ausschlag gab.

Marc-Christoph Schneider ahnt noch nichts, als seine Frau Theresa, mit der er seit zweieinhalb Jahren verheiratet ist, ihn gegenüber der Alten Kirche parken lässt. „Halt mal, wir haben hier einen Termin“, teilt sie dem überraschten Gatten mit, der am Morgen nur die Ansage bekam, „etwas Vernünftiges“ anzuziehen. Dass er mit Blick aufs Thermometer zum Leinen-Jackett eine kurze Hose gewählt hat, stört hier niemanden. „Eigentlich mag ich keine Überraschungen“, gesteht der Strategieberater – doch die spontane Idee seiner Theresa lässt ihn strahlen. „Geheiratet haben wir auf den Seychellen – aber da war es nicht so warm wie heute“, lacht das glückliche Paar.

Unterschiedliche Lebens- und Liebesgeschichten

„Die Lebensgeschichten sind total unterschiedlich“, erzählt Pfarrerin Annette Back über die Menschen, die sich heute das Jawort geben, während sie für das nächste Paar einen zusätzlichen Stuhl in den Altarraum trägt. „Wir haben hier langjährige Paare, die sich noch einmal segnen lassen wollen, oder Paare, die die kirchliche Trauung nachholen.“ Und dann kommen Monika und Ulrich. Sie im silbrig-rosafarbenen Kostüm und mit Diadem, er im Anzug. Seit einem Jahr sind die 66-Jährige und der 72-Jährige verheiratet – gefunkt hat es ein Jahr vorher, in einem Café. „Er hat mir sofort einen Heiratsantrag gemacht“, erinnert sich die Braut – die Lust auf spontane Gesten scheint sich bei den beiden bis heute nicht gelegt zu haben.

Segen fürs gemeinsame Leben

Ein paar Kilometer weiter, in der Elias-Gemeinde, können sich die Brautleute Segenssprüche aus einem dekorierten Busch pflücken, bevor sie in der Immanuel-Kirche vor den Altar treten. Musik gibt es natürlich auch – live gespielt von den vielen talentierten Musiker*innen in den Gemeinden.

„Bin nun frisch geduscht, total fertig, aber glücklich“, schreibt am Abend einer der Presbyter aus Elias. „Das war ein Mega-Event. Absolut perfekte Teamleistung, nur glückliche Menschen, nur Lob fürs Team.“ Und auch Pfarrerin Kira Engel aus Horstmar freut sich über einen rundum gelungenen Tag: „So viele Paare, denen der Segen wichtig ist. Auch, wenn es nur eine kurze Trauung ist, nehmen alle das sehr ernst. Spontan muss ja nicht heißen, dass es weniger wichtig ist.“ Und fügt dankbar hinzu: „Was für eine schöne Möglichkeit, dass Kirche, Glaube und Gott wieder mit den Leuten in Berührung kommen.“