Himmelfahrt oder gemeinsam einsam

Wenn Menschen gehen, wird es leer. Ziehen Kinder von zuhause aus oder trennt man sich und sitzt plötzlich alleine in einer Wohnung, in der man vorher viel Leben war, stirbt ein Mensch, reißt eine Lücke auf, die nicht zu füllen ist. Die Leere macht sich breit und mit ihr oft die Frage: Und jetzt? Manche schleichen wie Katzen um plötzlich leere Betten und unbewohnte Zimmer oder starren vor sich hin. Viele Versuche, die Leere irgendwie zu füllen, scheitern. Selig, wer jemanden findet, der die Leere einfach mitträgt und vielleicht auch aushält, dieses Vakuum des Lebens.

Ich stelle mir vor, genau dieses Gefühl hat sich auch unter den Freunden Jesu breit gemacht – nach der Himmelfahrt. 

Was für viele als endgültiger Beweis gefeiert wurde, dass Jesus – zu Weihnachten geboren in der Krippe, Karfreitag am Kreuz gestorben und Ostern von den Toten auferstanden – der Sohn Gottes ist. 

Was im Glaubensbekenntnis der christlichen Kirchen immer wiederholt wird: … aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes. 

Was viele Maler sich vorgestellt und gemalt haben, Jesus auf einer Wolke, die ihn nach oben trägt. 

Genau das bedeutet für die Jünger erst mal Leere. Die Worte, die Jesus bei seiner Himmelfahrt sagt, und den Auftrag, den er seinen Jüngern mitgibt: Erzählt den Menschen von Gott, tauft sie, bringt Ihnen bei, was sie für ihr Leben brauchen. All das kommt nicht an. Zu groß die Leere. Zu weit der Himmel und zu klein die Menschlein, die da zusammenhocken, 12 an der Zahl. Verloren im Meer der Möglichkeiten. Es fehlt etwas. Jesus fehlt und die eigene Kraft. Aber wie so oft bei Gott – to be continued – Fortsetzung folgt …

Leonie Grüning
Ständig Stellvertretende Superintendentin