Pfarrer Ralf Wieschhoff geht in den Ruhestand
Seine Zeit in der evangelischen Kirchengemeinde Dortmund-Südwest kann er anhand von vielen unvergesslichen Begegnungen nachvollziehen. 26 Jahre mit Gemeindemitgliedern, Presbytern, Konfirmandinnen, Ehrenamtlichen und weiteren Akteurinnen aus Hombruch, Barop und Eichlinghofen. Familien, die er über Generationen begleitet hat. „Ich habe die Ur-Uroma beerdigt und den jüngsten Spross getauft“, berichtet Pfarrer Ralf Wieschhoff mit einem gewissen Stolz. Trau- und Trauergespräche waren ihm besonders wichtig. Die Termine hat er gern auf den späten Nachmittag gelegt, um „hinten raus“ genügend Zeit für die Familienmitglieder zu haben.
Nach seinem Abschiedsgottesdienst in der „Kirche am Markt“ am 3. Advent, als Ralf Wieschhoff mit stehenden Ovationen gewürdigt wurde, schenkte ihm eine alte Dame das Original-Programm des Gottesdienstes vom 3. Advent 1957. Damals wurde die Kirche nach dem Wiederaufbau feierlich eingeweiht. Ein historisch wertvolles Dokument. Den Pfarrer freut es über alle Maßen, zumal der 3. Advent in vielfacher Hinsicht für ihn bedeutend ist, denn am 3. Advent des Jahres 1990 wurde Ralf Wieschhoff in Herten-Langenbochum-Scherlebeck ordiniert.
Weithin bekannt wurde er in den 90er Jahren als „Flüchtlingspfarrer“.
Als engagiertes Mitglied des Hertener Flüchtlingsrates schrieb Ralf Wieschhoff seine Examensarbeit zum Thema „Menschen aus anderen Ländern unter uns – was können wir als Gemeinden tun“. Als ihm in Dortmund-Asseln eine Pfarrstelle angeboten wurde, in der 50 % Gemeindearbeit und 50 % Flüchtlingsarbeit vorgesehen waren, sagte er gern zu. Und Wieschhoffs nächste Pfarrstelle in Scharnhorst, von 1995 bis 2000, war ebenso konzipiert.
Ralf Wieschhoff war Gründungsmitglied und über Jahre Vorsitzender des „ökumenischen Netzwerks Asyl in der Kirche in NRW“ und ein Akteur im „Wander-Kirchenasyl“, bei dem einzelne Kirchengemeinden dadurch entlastet wurden, dass die Geflüchteten nach einigen Wochen in eine benachbarte Gemeinde umzogen.
Ein Herz für die Ökumene
Ein herausragendes Anliegen Ralf Wieschhoffs war ihm über all die Jahre hinweg auch die Ökumene. Zahlreiche Gottesdienste und andere Feste hat er gemeinsam mit den katholischen Pfarrern und Gemeindereferentinnen auf den Weg gebracht und gefeiert. Seine Gemeindemitglieder lassen ihn nur ungern gehen, aber Ralf Wieschhoff macht einen glatten Schnitt. Er ist jetzt „entpflichtet“ und möchte zumindest das nächste Jahr nicht einspringen, um in den Gemeinden des Kirchenkreises Dienste zu übernehmen.
Die Entwicklung seiner Gemeinde wird er aber interessiert verfolgen. Auch hier stehen Diskussionen über die künftige Nutzung von Kirchengebäuden an. Aber Ralf Wieschhoff weiß, wie engagiert und einfallsreich die Gemeindemitglieder sein können. In Eichlinghofen haben sie schon einen Verein gegründet, in dessen Verantwortung sie ggf. die Nutzung der Kirche und des Gemeindehauses übernehmen möchten. Das macht ihm Hoffnung. Ralf Wieschhoffs Kolleginnen Britta Hülsewig und Luisa Großelohmann bleiben der Ev. Kirchengemeinde Dortmund-Südwest erhalten. Und Ralf Wieschhoff? Er kauft sich erst einmal eine BahnCard 100 und reist mit seiner Frau durch Deutschland.
Quelle: Stephan Schütze
Quelle: Stephan Schütze
Quelle: Stephan Schütze
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