Kirchenkreis startet „Kirchenpost“ für junge Menschen
Die Evangelische Kirche steht vor einer Zäsur: Statistiken zeigen, dass bis zum 31. Lebensjahr fast ein Drittel der Mitglieder die Kirche verlässt. Um diesem Trend entgegenzuwirken und um junge Menschen zwischen 12 und 31 Jahren wieder aktiver in das kirchliche Leben einzubinden, startet der Evangelische Kirchenkreis Dortmund im März das innovative Projekt „Kirchenpost“.
Warum Papier in einer digitalen Welt?
Das Projekt setzt auf einen überraschenden Weg: den klassischen Brief. „Ziel ist es, die jungen Menschen auf eine persönliche und kreative Weise zu erreichen – und das in einer Form, die bei ihnen auch wirklich ankommt: in Papierform“, erklärt Leonie Grüning, Ständig Stellvertretende Superintendentin im Kirchenkreis. In Zeiten von E-Mail-Flut und Social Media sei physische Post selten geworden. „Gerade daher nehmen junge Menschen es bewusster wahr, wenn sie Post in der Hand haben.“
Bei der Kirchenpost handelt es sich um sogenannte „Selfmailer“ – kreativ gestaltete, personalisierte Briefbögen, die ohne Kuvert auskommen und durch ihre Gestaltung sofort ins Auge fallen. Die Erfahrungen aus Süddeutschland, wo das Modell seit 2015 erfolgreich läuft, sind beeindruckend: 90 Prozent der Befragten bewerteten die Kirchenpost dort mit „gut“ oder besser.
Brücke zur digitalen Welt
Trotz des analogen Formats bleibt der Bezug zum Alltag der Zielgruppe gewahrt. Jeder Brief enthält themenbezogene QR-Codes, die direkt auf eine spezielle Webseite führen. „Die Kirchenpost ist der Zugang zu dieser digitalen Welt, in der junge Menschen Gruppen, digitale Angebote und regionale Infos entdecken können“, erklärt Pfarrerin Grüning. So entsteht ein lebendiger Dialog zwischen Tradition und Moderne.
Ein zukunftsweisendes Gemeinschaftsprojekt
Der Kirchenkreis Dortmund ist nicht allein: Insgesamt 14 Kirchenkreise der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) beteiligen sich an dem auf drei Jahre angelegten Pilotprojekt.
Leonie Grüning sieht in dem Projekt eine große Chance: „Die Kirchenpost ist in jeder Hinsicht ein Mut machendes Projekt! Wir wollen zeigen: Die Kirche ist für junge Menschen da, bietet Gemeinschaft, Unterstützung und Hoffnung“.
Bild: Nicole Schneidmüller-Gaiser