Mit der Vorstellung der Graphic Novel „Das Schimmern der See – als Seenotretter im Mittelmeer“ endete die Aktionswoche „Beim Namen nennen“ zum Internationalen Weltflüchtlingstag in der Dortmunder Reinoldikirche. Vor gut 80 Gästen berichtete der 29-Jährige von seinen Erlebnissen als Fotograf, Übersetzer und letztlich Seenotretter im Sommer 2021 auf dem Schiff Sea-Watch 3. Seine damaligen Tagebucheinträge hat der Autor und Comiczeichner zu einer Graphic Novel ausgearbeitet und zeigte bewegende Inhalte und Geschichten daraus in Dortmund einem gebannten und letztlich aufgewühlten Publikum. Elend, Verzweiflung, sogar Verbrechen an den Außengrenzen der EU wurden auf einzigartige Weise sichtbar.
Eine Woche lang haben Kirche, Diakonie und engagierte Dortmunder Flüchtlingsinitiativen zum Internationalen Weltflüchtlingstag mit zahlreichen Aktionen auf die Not und das anhaltende Sterben an den EU-Außengrenzen aufmerksam gemacht. 62.620 dokumentierte und bei United in der Schweiz registrierte Todesfälle gab es seit 1993 an den Außengrenzen der Europäischen Union. Die Dunkelziffer dürfte sehr viel höher sein – aber um wenigstens die identifizierten Todesopfer zu würdigen, haben Evangelische Kirche, Diakonie, der Verein Grenzenlose Wärme e. V., Train of Hope und weitere engagierte Dortmunder Flüchtlingshilfeorganisationen auch in diesem Jahr die Aktion „Beim Namen nennen“ durchgeführt. 24 Stunden lang haben Mitglieder der Organisatoren, Bürgerinnen und Bürger sowie Menschen der Dortmunder Stadtgesellschaft in der Reinoldikirche Namen verlesen, die Herkunft, Ort und Umstände des Todes.
Reinoldikirchen-Pfarrerin und Organisatorin Susanne Karmeier fasst zusammen:
„Die Aktionswoche ist nun vorbei. Das Leid und Unrecht an unseren Grenzen endet nicht. Die Lesung und der Bericht des Seawatch-Aktivisten Adrian Pourviseh am Freitagabend gehen mir noch nach und sitzen in Herz und Knochen. Was auf dem Mittelmeer passiert, kann jede*r erfahren und wissen. Es bricht mit allem, was wir mit Menschenwürde, mit Menschenrechten verbinden und mit ,vor Gott sind alle gleich‘ und ,Du sollst nicht töten‘. Wegsehen kann keine Alternative sein und schreit zum Himmel!“
Bildzeilen
Bild 1+2: Bei der Mahnwache für die auf der Flucht Getöteten vor der Stadtkirche St. Reinoldi. Jeder Zettel ist von Hand mit einem Namen beschriftet – viele freiwillige Helfer*innen haben dafür gesorgt. Fotos: Ulrich Schaper
Bild 3: Superintendentin Heike Proske liest Namen von Opfern, deren Herkunft, die Orte und Umstände der Tode. Foto: niki
Bild 4: Autor und Comiczeichner Adrian Pourviseh (5.v.re.) mit dem Organisationsteam des Internationalen Weltflüchtlingstages in der Reinoldikirche bei der Vorstellung seiner Graphic Novel „Das Schimmern der See“. Darin hat er seine Erlebnisse als Seenotretter auf der Sea-Watch 3 im Mittelmeer verarbeitet. Foto: Diakonie Dortmund