Veranstaltungswoche zum Weltflüchtlingstag in und an St. Reinoldi
Während die Zahl der Menschen, die als Asylsuchende Europa erreichen, sinkt, steigt die Zahl derer, die auf der Flucht nach Europa sterben. Seit 1993 sind es mehr als 65.000 Tote. Noch nie waren es so viele wie in den vergangenen zwei Jahren.
Während der Veranstaltungswoche zum Weltflüchtlingstag vom 10. bis zum 21. Juni wird in der Dortmunder Stadtkirche St. Reinoldi wieder mit Aktionen und einem Mahnmal der Menschenwürde an all die erinnert, die oft namenlos gestorben sind und nirgends beerdigt wurden: Namen lesen, Namen schreiben, Ausstellungen, Gespräche, Filme, Gottesdienst, Abendgebete, Mahnwache und mehr. Die Kirche ist in dieser Zeit montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und zu den Veranstaltungen geöffnet.
Fünf Jahre lang gab es das alte Flüchtlingscamp Moria, das Platz für etwa 2.500 Menschen hatte, aber in all den Jahren mit über 18.000 Menschen (fast die Hälfte davon Kinder) völlig überfüllt war. Im Herbst 2020 brannte es ab. Fotografin Alea Horst hat das neue Camp auf Lesbos besucht. Und die Kinder dort gefragt – nach ihren Erlebnissen, Ängsten und Träumen. Ihre Ausstellung „Manchmal male ich ein Haus – Europas vergessene Kinder“ in der Reinoldikirche zeigt, wie Kinder in Flüchtlingslagern die Welt und das Schicksal von Flüchtlingen sehen.
Große Fluchtbewegungen sind nichts Neues. Die Ausstellung „Menschen auf der Flucht“ mit Magnum-Fotos, die vom 10. bis zum 27. Juni in der Stadtkirche Sankt Petri zu sehen ist, umreißt die vergangenen 70 Jahre und blickt zurück bis zum Zweiten Weltkrieg – einer Zeit massiver Vertreibungen. Damals wie heute haben Fotografinnen und Fotografen vor Ort die Ereignisse dokumentiert. Ihre Bilder geben Einblick in individuelle, alltägliche Geschichten: Was heißt es, auf der Flucht zu sein? Bedrohung, gesellschaftlicher Umwälzung und Tod zu begegnen und gezwungen zu sein, das eigene Zuhause zu verlassen, um einen sicheren Ort zu suchen?
Einen ungewöhnlichen Dialog gibt es am Mittwoch, 11. Juni, von 18.30 bis 20 Uhr im Reinoldinum am Schwanenwall 34: „Die Ausländerbehörde im Gespräch“ – und zwar mit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe. Die Ausländerbehörde Dortmund ist seit dem 1. Januar 2025 das Amt für Migration. Dessen Leiterin Melanie Schmickler informiert über die neue Struktur der Behörde, organisatorische Veränderungen, die aktuelle Situation von Geflüchteten und gesetzliche Entwicklungen. In Kleingruppen soll über die Situation in Syrien, das Chancen-Aufenthaltsrecht und die Situation Geflüchteter aus der Ukraine diskutiert werden. Moderation: Paul-Gerhard Stamm (Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Aplerbeck e. V.)
„Wenn das Sterben die einzige Chance auf Leben ist … oder gibt es einen Ausweg? Wie das Trauma der Flucht bearbeitet werden kann“ ist Thema am Donnerstag, 12. Juni, um 19.30 Uhr im Institut am Schauspielhaus Dortmund, Hiltropwall 15. Der psychische Druck auf Geflüchtete ist enorm. In der Liste der Toten an den Grenzen Europas sind immer wieder Suizide zu lesen – Geflüchtete, die nicht mehr die Kraft haben, sich nun auch noch gegen die Ablehnung Europas zu stellen. Der Film „Elegy“ von Alexander Moust und Lucienne Groot erzählt die Geschichte des 14-jährigen Ali, der nach einem Ort sucht, um zu leben. Im Film liest Alis jüngere Schwester Fatima (13) ihren offenen Brief vor, in dem sie sich wünscht, dass alle die Geschichte ihres Bruders Ali und ihrer Familie kennen, die seit sieben Jahren unterwegs ist – von Syrien über den Libanon, Spanien bis in die Niederlande. „Elegy“, wirklich auch Klagelied, zeigt, wie komplex und verletzlich das Leben von Kindern werden kann, wenn sie vor Gewalt fliehen und ein neues, stabiles und sicheres Zuhause suchen.
Rodica Anuti-Risse (Leiterin PSZ-Psychosoziales Zentrum für Flüchtlinge, AWO Dortmund) spricht mit Paul-Gerhard Stamm (Flüchtlingshilfe Aplerbeck e. V.) über die Situation und Beratung von psychisch belasteten und traumatisierten Flüchtlingen. Alexander Moust und Lucienne Groot bringen ihre Erfahrungen mit ein.