Jeder und jede von uns trauert anders. Auch die Anlässe sind verschieden: Es muss auch nicht immer ein geliebter Mensch sein, denn Verluste erleben wir auch in anderen Bereichen. Vielleicht ist es der Job oder eine Krankheit, die unser Leben auf den Kopf stellt, vielleicht auch ein Kind, das sein Meerschweinchen verloren hat.
Weil das Trauern ein Prozess ist, der leichter wird, wenn man sich mit ihm auseinandersetzt, hat die Evangelische Noah-Kirchengemeinde auf dem Friedhof in Dortmund-Mengede einen Trauerparcours eingerichtet. Acht Stationen stehen für die Phasen, die man beim Trauern durchläuft. Sie bieten Gelegenheit, sich in Ruhe damit auseinanderzusetzen, ohne erhobenen Zeigefinger oder theologischen Anspruch. Station Nummer vier etwa ist ein Hügelpfad, und er steht dafür, dass Trauer von einem ständigen Auf und Ab begleitet ist und es manchmal nur in kleinen Schritten aufwärts geht. Die Bänke an Station Nummer fünf laden dazu ein, sich auch mal hinzusetzen und neue Kraft zu schöpfen, denn: Jeder Trauerweg braucht eine Pause.
„Obwohl der Parcours auf unserem Friedhof ist, wollen wir alle Menschen ansprechen, auch wenn sie gerade nicht aktuell mit einem Trauerfall konfrontiert sind“, sagt Pfarrer Gerd Springer. Er hat die Idee 2018 mit seinem Team umgesetzt und ist auch im Ruhestand weiter dabei. Das Angebot hat sich herumgesprochen, erzählt Cordula Podscharly vom Friedhofsbüro Bodelschwingh/Mengede: „Es kommen Trauergruppen aus Herne, vom Hospizdienst, aus den Gemeinden oder vom Stadtpilgern“, sagt sie. „Meine Kollegin geht den Parcours mit angehenden Erzieher*innen, und es kommen auch Kitas hierher. Wir freuen uns über jede Gruppe, die eine Führung mit uns machen möchte. Man kann den Parcours auch anhand der Schilder selbst erkunden, aber wir hören immer wieder, dass es sinnvoll ist, das erste Mal als Gruppe zu kommen und dann noch mal allein.“ Die Führungen können im Vorfeld individuell abgestimmt werden. Sie dauern eine bis anderthalb Stunden und enden nach Absprache mit einer Tasse Kaffee, bei der das Erlebte besprochen werden kann.
Der Trauerparcours auf dem Ev. Friedhof Dortmund-Mengede (Mengeder Schulstraße) kann während der Öffnungszeiten des Friedhofes ohne Anmeldung besucht werden. Auf www.ev-friedhöfe-noah-gemeinde.de gibt es eine Broschüre unter dem Feld Ev. Friedhofskultur, Orte der Erinnerung. Das Friedhofsbüro erreicht man montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr unter Telefon 0231/3 96 44 71, Fax 0231/93 69 07 90 und per Mail an info@ev-friedhöfe-noah-gemeinde.de.
Die nächste öffentliche Führung findet am Ewigkeitssonntag oder Totensonntag statt, am 26. November um 13.30 Uhr. Wer mag, kann anschließend um 15 Uhr den Gottesdienst besuchen.
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Der Trauerparcours auf dem Friedhof in Dortmund-Mengede bietet Gelegenheit dazu, sich mit Verlusten und Trauer auseinanderzusetzen.
4. Station: Hügelpfad – Ein ständiges Auf und Ab begleitet die Trauer.
„Auf und ab führt mich mein Trauerweg. Mal geht es mir besser, mal schlechter. Trotz der vorangeschrittenen Zeit gibt es immer wieder Momente, in denen mich der Schmerz plötzlich übermannt. Ich bin ihm hilflos ausgesetzt und habe das Gefühl, nie wieder aus diesem tiefen Tal herauszukommen. Es geht nur in kleinen Schritten aufwärts, den Hügel hinauf. Augenblicke des Lichts sind da, aber kann ich sie greifen? Auch das ist anstrengend und zehrt an meiner Kraft. Ich probiere eine vorsichtige Annäherung an das ganze Ausmaß meiner Trauer. Wie viel kann ich mir zumuten?