Muslimische Freitagspredigten – Anlass für gute Nachrichten?

06.05.2026

Veranstaltung des Christlich-Islamischen Dialogforums präsentiert überraschende Ergebnisse

Alle klagen über die schlechten Zeiten, aber es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Beim Diskussionsabend des Christlich-Islamischen Dialogforums Ende April ging es um muslimische Freitagspredigten in Deutschland. In der digitalen Konferenz trug der Referent, Dr. Jörn Thielmann von der Universität Erlangen-Nürnberg, die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vor, das tausende Freitagspredigten von großen muslimischen Verbänden in Deutschland untersucht hat. Unter ihnen auch so umstrittene Vereinigungen wie DITIB oder Milli Görüş (IGMG). Von den etwa 2100 Moscheen wurden die Predigten von circa 1600 bis 1700 über mehrere Jahrgänge untersucht.

Predigten betonen Moral, Gemeinwohl und Integration

„Hier kommt die gute Nachricht: In Moscheen wird kein Hass gepredigt!“, berichtet für das Christlich-Islamische Dialogforum Pfarrer Friedrich Stiller vom Evangelischen Kirchenkreis. „Im Gegenteil. Dr. Thielmann konnte anhand seiner umfangreichen Untersuchungen deutlich machen, dass im Vordergrund religiöse Themen und moralische Alltagsregeln stehen, Empfehlungen, sich für das Gemeinwesen einzusetzen und Aufrufe zur Integration.“ Oft gehe es um Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft, freundliches Verhalten im Alltag und persönliche Mäßigung. In einigen Verbänden werde sogar regelmäßig über Umweltschutz und Nachhaltigkeit gepredigt.

Fast zu schön, um wahr zu sein, erschien das Ergebnis. Darum gab es kritische Rückfragen in der Diskussion. Der Referent konnte die Fragen aber beantworten. Zugleich wies er auch auf randständige Moscheevereine hin, die es natürlich auch in Deutschland gibt und in denen es doch radikal zugeht, beispielsweise bei den Salafisten. Aber, so Dr. Thielmann, sie stellen eine verschwindende Minderheit dar, für die man die anderen Muslime nicht verantwortlich machen könne. Die Vertreterin einer Beratungsstelle gegen Islamismus rief an der Stelle in der Diskussion auf, Einzelbeobachtungen nicht zu verallgemeinern. Hochrangige Vertreter von Verbänden, die sich im Publikum befanden und teilweise selbst an der Veröffentlichung solcher Predigten beteiligt waren, stimmten zu.

Appell für eine „Gemeinschaft der Ausgewogenheit“

Als Zusammenfassung formulierte der Referent, dass in den Freitagspredigten oft für eine „Gemeinschaft der Ausgewogenheit“ und der Mitte geworben werde. Das zeigte sich auch nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023, so der Forscher. Es war große Zurückhaltung und Ausgewogenheit zu beobachten sowie das Vermeiden von antisemitischen Stereotypen. Für viele ein überraschendes Ergebnis.

Diese Beobachtungen stehen im krassen Gegensatz zu vielem, was in der Öffentlichkeit behauptet wird, auch in den umstrittenen Veröffentlichungen des bekannten Journalisten Constantin Schreiber. Ihm sprach der Referent schlicht die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit ab. „So zeigte sich im Hintergrund wieder ein Grundsatzproblem des interreligiösen Dialogs: Wie schwer es ist, Vorurteilen zu begegnen“, so die Veranstalter*innen vom Dialogforum, Dr. Kamcili-Yildiz und Pfarrer Friedrich Stiller, die am Ende dem Referenten dankten, dass er sowohl überraschende Informationen als auch gute Nachrichten verbreitete.

Bild: Sven Thielmann
Dr. Jörn Thielmann von der Universität Erlangen-Nürnberg trug auf Einladung des Christlich-Islamischen Dialogforums die Ergebnisse eines Forschungsprojektes vor, das tausende Freitagspredigten von großen muslimischen Verbänden in Deutschland untersucht hat.