Mut zum Wandel: 100 Menschen denken Kirche in Dortmund neu 

14.07.2026

Ideen, Diskussionen und neue Perspektiven für die „Eine Gemeinde 2035“: Beim „MutLabor“ wurde aus Zukunftssorgen Zukunftslust. 

von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Ein junger Teilnehmer schreibt konzentriert seine Gedanken auf eine große Pinnwand. Wenige Meter weiter diskutieren Menschen an Stehtischen über Gottesdienste, Ehrenamt und die Frage, wie Kirche im Jahr 2035 aussehen könnte. Auf den Tischen liegen bunte Stifte, an den Wänden wachsen Ideenlandschaften aus Worten und Skizzen. Eine Band spielt, zwischendurch wird gelacht. Wer am Samstag, 11. Juli, das Bürgerhaus „Pulsschlag“ in Dortmund-Dorstfeld betrat, konnte leicht vergessen, dass es hier um ein Thema ging, das oft mit Sorgen verbunden wird: die Zukunft der Kirche. 

Knapp 100 Menschen waren der Einladung des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund zum „MutLabor“ gefolgt. Eingeladen waren nicht nur ehrenamtlich und hauptberuflich Engagierte, sondern ausdrücklich alle Interessierten – auch Menschen ohne feste Bindung an eine Kirchengemeinde. Gemeinsam sollten sie Ideen für den Prozess „Eine Gemeinde 2035“ entwickeln, der die Zukunft der evangelischen Kirche in Dortmund, Lünen und Selm gestaltet. 

Mut heißt nicht, keine Angst zu haben 

Schon der geistliche Impuls setzte den Ton des Tages. „Mut haben heißt nicht, um nichts mehr zu bangen“, sagte Pfarrer Christian Höfener-Wolf, der als Mitglied der Prozessgruppe „EineGemeinde 2035“ den Tag mit vorbereitet hatte. Veränderungen dürften durchaus Respekt einflößen. Zugleich erinnerte er an die Geschichte des Veranstaltungsortes: Wo früher ein Zechengelände lag, steht heute ein lebendiges Bürgerhaus. „Das zeigt doch: In Dortmund können wir den Wandel.“  

Für frische Perspektiven sorgte auch der Selmer Kabarettist Christoph Tiemann. Mit Humor zeigte er, dass Erfolg nicht allein an Größe oder Wachstum gemessen werden müsse. Entscheidend sei oft die Frage, welchen Unterschied etwas für Menschen mache.  

Was muss bleiben – und was darf sich verändern? 

An den Diskussionstischen wurde anschließend intensiv gearbeitet. Drei Fragen standen im Mittelpunkt des Vormittags: Was muss bleiben? Was muss mutig losgelassen werden? Und welches Experiment würde man wagen, wenn die Angst vor dem Scheitern keine Rolle spielte? Die Antworten reichten von klassischen Gemeindethemen bis zu ganz neuen Ideen. Immer wieder wurde deutlich, dass viele Teilnehmende Kirche vor allem als Gemeinschaft verstehen – offen, vielfältig und nahe bei den Menschen.  

Ein buntes Bild von Kirche 

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden dann in Werkstätten zu Themen wie Gebäude, Gottesdienst, Ehrenamt, Sozialraum und Digitalisierung. Eine Live-Zeichnerin hielt dabei Gedanken, Diskussionen und Stimmungen in eindrucksvollen Grafiken fest. So entstand im Laufe des Tages ein buntes Bild von Kirche, in dem Begriffe wie „Vertrauen“, „Liebe“ und „Gemeinde außerhalb der Kirchenmauern“ immer wieder auftauchten.  

Superintendentin Heike Proske, ebenfalls Teil der Prozessgruppe, zeigte sich zum Abschluss ermutigt. Die Workshops seien von einer „bunten Mischung an Menschen“ geprägt gewesen. Man habe deutlich gespürt, wie wichtig den Anwesenden ihre Kirche sei. Gleichzeitig betonte sie, dass künftig auch diejenigen stärker in den Blick genommen werden müssten, die bisher nicht mitdiskutieren. Besonders wichtig sei ihr die Zusage an alle Beteiligten: „Wir sammeln alles. Alles, was gesagt wurde. Alles, was aufgeschrieben wurde. Es war nichts umsonst.“ Die Ergebnisse sollen nun von der Prozessgruppe ausgewertet werden und in den weiteren Prozess einfließen.  

Vielleicht brachte eine Teilnehmerin die Stimmung des Tages am treffendsten auf den Punkt, die beim Hinausgehen sagte: „Das war ein MutLabor – ich gehe ermutigt und tatsächlich auch beseelt nach Hause.“ Ein Satz, der beschreibt, was an diesem Tag spürbar wurde: Nicht die Angst vor Veränderung stand im Mittelpunkt, sondern die Lust, Kirche gemeinsam neu zu denken.  

Mitmachen ausdrücklich erwünscht 

Mit dem MutLabor ist der Beteiligungsprozess nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Der Kirchenkreis sucht nun Menschen, die die nächsten Schritte im Projektteam „Eine Gemeinde 2035“ mitgestalten möchten. Während der Veranstaltung wurde intensiv dafür geworben, weitere engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen. Wer Interesse hat, kann sich unkompliziert per E-Mail an EineGemeinde2035@ekkdo.de wenden. Benötigt werden lediglich Name, Mailadresse sowie ein kurzer Hinweis darauf, warum man mitarbeiten möchte oder welche Vision man für die Kirche der Zukunft mitbringt. Gesucht werden Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Ideen – denn die „Eine Gemeinde 2035“ soll von möglichst vielen Stimmen aus Dortmund, Lünen und Selm geprägt werden.