Die Leere hat bei Gott nie das letzte Wort. Das feiert Pfingsten schon lange bevor Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Als jüdisches Fest. Diese uralte Religion kennt auch den Heiligen Geist. Sie findet ihn in der Schöpfung, er schenkt den Propheten die richtigen Worte und ist allen Menschen versprochen. Pfingsten wird gefeiert wie ein großes Stadtfest, mit bunten Bändern in den Straßen, die der Wind zum Tanzen bringt. Nur 12 feiern nicht mit. Nach der Himmelfahrt geht es den Jüngern wie nach einem (feucht-)fröhlichen Vatertagsausflug. Die Ernüchterung stellt sich ein und sie fragen sich, ob das das Ende ist des Traums von einem anderen Leben ganz nah bei Gott und in einer Gemeinschaft, in der die eigenen Fehler nicht alles sind.
Jesus hatte viele von Ihnen aus dem immer gleichen Hamsterrad befreit. Sollten sie nach der Nummer mit der Wolke nicht wieder zurückkehren in die Ordnung? Arbeit von morgens bis abends – Haushalt – Familie. Das alte Leben. Eine düstere Aussicht. Und mitten in der Fröhlichkeit des Pfingstfestes verkriechen sie sich in ihrer Herberge. Sie schließen die Fensterläden und wollen nichts hören und nichts sehen. Und genau diesen Moment sucht Gott sich aus, um das alte Versprechen: Heiliger Geist für alle, einzulösen. Wie ein Feuersturm vom Himmel fegt die Gotteskraft durch die Straßen. Dringt durch Fenster und Türen in die Herberge und schenkt den Jüngern neue Kraft. Den Glauben, dass Himmelfahrt nicht das Ende ist. Jetzt, Pfingsten, beginnt etwas Neues. Eine Gemeinschaft, in der die eigenen Fehler nicht alles sind, aber getragen von Menschen, die glauben. Und die Jünger beginnen mit Worten und Taten. Laden andere ein, indem sie trösten, so wie sie auch getröstet worden sind durch den Heiligen Geist. Ab diesem Tag gehört er allen, begabt, macht Mut und holt hinter dem Ofen hervor in ein Leben ganz nah bei Gott.
Leonie Grüning
Ständig Stellvertretende Superintendentin