Reinoldustag: Ökumenischer Neujahrsempfang der Kirchen
Von Michael Bodin und Nicole Schneidmüller-Gaiser
„Hier lebt Zugezogen neben Inventar, Reich neben Arm.“ Und: „Vielfalt ist mehr als nebeneinander.“ Deutliche Sätze beim diesjährigen Reinoldustag, dem Neujahrsempfang der evangelischen und der katholischen Kirche in Dortmund. Traditionell zum Jahresanfang melden sich die beiden großen Kirchen zu Wort, setzen ein Thema in einem ökumenischen Gottesdienst und diskutieren bei einem anschließenden Empfang mit der heimischen Politik und den zahlreichen Gästen in der Reinoldikirche. Der Reinoldustag setzte am Donnerstagabend (22. Januar 2026) unter dem Thema „Stadtbilder – Bilder unserer Stadt“ ein gemeinsames Zeichen für Zusammenhalt, Menschenwürde und einen respektvollen gesellschaftlichen Diskurs.
Gäste aus Politik, Kirche und Stadtgesellschaft
Die erfreulich zahlreichen Gäste in der Reinoldikirche wurden von Propst Andreas Coersmeier begrüßt, darunter unter anderem die Abgeordneten des Bundes-, des Landes- und des Europaparlaments, ebenso Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgesellschaft. Besonders begrüßte der Propst die Haupt- und Ehrenamtlichen in den christlichen Kirchen, in Caritas und Diakonie und an vielen weiteren Orten gesellschaftlichen Engagements sowie Vertreterinnen und Vertreter der anderen Religionen. Mit verkehrsbedingter Verspätung stieß am Ende des Gottesdienstes auch der Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti hinzu, der direkt vom Deutschen Städtetag aus Dresden angereist war.
Gesellschaftspolitisches Statement der Kirchen
„Das wahre Bild der Dinge entsteht erst, wenn wir sie durch die Augen eines anderen betrachten“, zitierte Superintendentin Heike Proske zu Beginn ihres gesellschaftspolitischen Statements im Namen beider Kirchen den französischen Schriftsteller Marcel Proust. Ausgangspunkt war der biblische Gedanke der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen. „Die Menschenwürde ist aus kirchlicher Sicht nie verhandelbar“, betonte Proske. Mit Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Debatte warb sie für Empathie und Perspektivwechsel: „Das wahre Bild der Dinge entsteht erst, wenn wir sie durch die Augen eines anderen betrachten.“
Klare Positionierung für Demokratie und Zusammenhalt
Die Kirchen bekannten sich in dem Statement klar zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und einem solidarischen Miteinander in der Stadt. Zugleich unterstrichen sie ihre Verantwortung, sich einzumischen, wenn Menschen ausgegrenzt oder herabgewürdigt werden. „Die Aufgabe der Zivilgesellschaft und der Kirchen ist es, immer wieder klar Position zu beziehen für Demokratie, Rechtsstaat und die Menschenwürde“, betonte Heike Proske.
Oberbürgermeister: Vielfalt braucht Fairness und Regeln
Der Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti griff das Statement der Kirchen in seiner Antwort auf. Mit Blick auf das Thema des Reinoldustages merkte er an, dass es – seiner Meinung nach – der öffentlichen Debatte über die sogenannte Stadtbildaussage des Bundeskanzlers an Offenheit und Tiefe gefehlt habe. „Damit ist eine Chance vertan worden“, glaubt Kalouti. Zugleich betonte er: „Dortmund ist eine vielfältige Stadt, schon immer. Diese Vielfalt ist unser Stadtbild.“
Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass Vielfalt Offenheit brauche, aber auch gemeinsame Regeln: „Vielfalt ist eine Bereicherung, aber Vielfalt ohne Einheit hat auch die Gefahr, dass sich Gräben bilden.“ Die Kirchen würdigte Kalouti ausdrücklich als wichtige Orte des Dialogs und der verantwortungsvoll geführten gesellschaftlichen Debatte.
Ökumenischer Gottesdienst und musikalische Gestaltung
Den ökumenischen Gottesdienst feierten Pfarrer Michael Vogt für die katholische Kirche sowie die stellvertretende Superintendentin Leonie Grüning und der stellvertretende Superintendent Michael Stache. Die musikalische Gestaltung übernahmen Jörg Segtrop (Trompete) und Reinoldikantor Christian Drengk an der Orgel.
DORTMUND – industrieller Scham verbunden mit moderner Kreativität,
hier gibts wirklich noch viel mehr nur als den BVB.
Wo Maloche noch zusammenbringt und Haltung stets als Lied erklingt.
Rau und herzlich, schön und schmerzlich.
Weil du hier kriegst, was du entgegenbringst.
Dortmund 44, ich arbeite in und komm aus dir,
heute zu deinen Ehren hier, wir sind wie du, du bist wie wir.
Nicht perfekt aber einzigartig, da fühlt man sich zuhaus
und jenachdem wie nah du bist, sieht es ganz anders aus.
Jede Gasse hat ihrem Scham,
hier leben die Reichen neben den Armen,
Aplerbeck oder Scharnhorst, Eving oder Huckarde,
hier lebt zugezogen neben Inventar.
Aber vor allem lebt hier jeder mit Herz, Haut und Haaren.
Es ist Druck zu spüren und die Ungleichheit ist groß,
doch wir können wieder Brücken bauen,
lassen wir unsere Angst vor Verschiedenheiten los.
Wir müssen Verletzungen aufarbeiten und neue verhindern,
es endet bei den Ältesten und beginnt bei den Kindern.
Es geht nur mit mehr Schutz und Solidarität,
denn wo zwei Wege nicht weiterführen,
gibt es vielleicht noch einen dritten Weg.
Weil Vielfalt mehr ist, als nur nebeneinanderher zu leben, sie bedeutet
gemeinsam etwas Neues zu schaffen und für diese Vision alles zu geben.
Wir brauchen Raum für Begegnung und Respekt füreinander,
denn Vielfalt ist Stärke und wir wachsen am Andern.
Und auch du trägst deinen Teil dazu bei,
das Bild zu vervollständigen, statt es zu zerteilen.
Eine Stadt im Wandel auf der Suche nach dem neuen Weg, wir sollten wirklich
auf die Bedürfnisse aller schauen, wenn es um die Zukunft geht.
Jeder Stadtteil eine Facette dieser Stadt,
jede Schule, jeder Park, jeder Verein, jeder Pfad.
Jeder Mensch, der hier lebt, bildet vom Puzzle einen Teil, und wir können das
ganze Bild nur dann erkennen, sind alle miteinander vereint.
Denn jeder packt mit an und trägt seinen Teil dazu bei.
Eine Stadt – ein Bild,
doch viel mehr ein Mosaik,
weil zwischen all den Menschen und der Verbundenheit, die wahre Bedeutung liegt.
Eine Stadt verwandelt und von außen beurteilt,
doch wer wirklich verstehen will, braucht Zeit.
Es ist das Herz dieser Stadt, das schlägt mit uns im Takt,
wir rücken zusammen und machen dir Platz.
Denn trotz aller Herausforderungen, gilt hier ein Satz:
Es zählt, wer du bist und nicht was du hast!
Es gilt aushandeln statt wegsehen, erst durch Reibung entstehen Neuheiten,
die Menschen sehen und brauchen sich, doch jemand muss auch vorreiten.
Weil Dortmund bunt ist und ich Hoffnung habe,
und auch kleine Schritte bringen großes zu Tage.
Ich glaube an ein miteinander, dass niemanden ausschließt,
es geht ums gemeinsame gewinnen, nicht darum wer das Tor schießt.
Dortmund ist echt, denn trotz aller Ängste und Sorgen,
zählt hier noch der Glaube an ein gemeinsames Morgen.
Und es bewegt sich wirklich viel in dieser Stadt, alles ist im Umbruch,
statt Fehlern gibt es Versuche, wenn ich mich so umguck’.
Mehr Engagement und Initiativen, bringen neue Ideen und gehen in die Tiefen.
Und über all dem hält Gott die Hand, umgibt von allen Seiten unser Herz und Verstand.
Hier wird jeder Mensch auf seine Art vereint, ich find das Stadtbild
könnte gar nicht schöner hier sein.
© Mali Thüs (Insta: @milikis23)
Quelle: Stephan Schütze
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Quelle: Stephan Schütze
Quelle: Stephan Schütze
Quelle: Stephan Schütze
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