Quelle: Stephan Schütze

Reden hilft und rettet Leben

60 Jahre TelefonSeelsorge Dortmund

Einsamkeit ist ein großes Problem: „Oft sind wir die ersten Menschen an dem Tag, mit denen die Anrufenden reden. Schon allein, eine menschliche Stimme zu hören, tut ihnen gut“, sagt Regina Reiffenberg, die Leiterin der TelefonSeelsorge Dortmund, einer Einrichtung des Evangelischen Kirchenkreises. „Und unter Einsamkeit leiden nicht nur ältere Menschen“, weiß die Sozialpädagogin und Systemische Beraterin. Auch jüngere Menschen hätten – trotz etlicher Kommunikationsmöglichkeiten – oft das Gefühl, mit niemandem „richtig“ reden zu können.

Wer bei der TelefonSeelsorge anruft, der spricht mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Regina Reiffenberg und ihre katholische Kollegin beraten und begleiten die etwa 80 Frauen und Männer, die durch eine fundierte nebenberufliche Ausbildung zu versierten Ansprechpersonen für Menschen in Not geworden sind. Wer jemanden zum Reden braucht, sollte also keine Hemmungen haben und einfach zum Hörer, bzw. zum Handy greifen. Kostenlos und anonym. „Unsere Ehrenamtlichen sind gute Zuhörer, die Menschen offen begegnen“, sagt Regina Reiffenberg. Vielen Anrufenden helfe es schon, das eigene Problem einfach mal zu formulieren. So könnten sie etwas Abstand gewinnen und Auswege besser erkennen. „Dasselbe gilt für familiäre oder Beziehungsprobleme. Man berichtet jemandem davon, der außerhalb des Systems steht. Das weitet den Blick.“

Seit Anfang der 80er Jahre ist auch die katholische Kirche mit dabei, sodass die TelefonSeelsorge seitdem ökumenisch geleitet wird. Die Einrichtung ist gut vernetzt, kann auf die Beratungsstellen der Kirchen und anderer Träger verweisen. Seit 1996 gibt es den lokalen „Freundes- und Förderkreis“, der die TelefonSeelsorge finanziell sowie Ehrenamtliche bei der Teilnahme an internationalen Kongressen und Fortbildungen unterstützt.

Kraft für die Leitung der TelefonSeelsorge zieht Regina Reiffenberg unter anderem aus ihrem persönlichen Glauben, denn durch ihn fühlt sie sich „getragen, geliebt und gesehen“.  Für die ehrenamtliche Mitarbeit ist jedoch ein persönlicher Glaube oder die Kirchenmitgliedschaft keine Voraussetzung – wer sich für diese sinnstiftende Tätigkeit in einer tragenden und wohltuenden Gemeinschaft interessiert, kann sich informieren unter

Die TelefonSeelsorge ist vielen Menschen eine große Stütze, denn: Krisen gehören zum Leben – und Reden hilft.

Die TelefonSeelsorge Dortmund

Dortmund, Lünen, Selm, Bergkamen, Fröndenberg, Unna und Holzwickede – so groß ist das Zuständigkeitsgebiet. Sollten alle Leitungen belegt sein, wird zur TelefonSeelsorge in einer anderen Stadt umgeleitet. Seit 1997 gibt es bundesweit einheitliche Telefonnummern: die 0800 111 0 111 und die 0800 111 0 222.

Erste telefonische „Lebensmüdenbetreuung“ startete 1953 in Berlin

In der Mitte des 20. Jahrhunderts begann eine Bewegung, deren Ziel es war, Menschen vor dem Suizid zu bewahren. Um ein rettender Ansprechpartner sein zu können, annoncierte 1953 ein evangelischer Pfarrer in London seine Telefonnummer. In Deutschland gab es drei Jahre später die erste telefonische „Lebensmüdenbetreuung“ durch einen Pfarrer und Arzt in Berlin. Obwohl damals gerade mal zehn Prozent der Deutschen ein Telefon besaßen, wurde das Angebot durchaus genutzt.

In der Folge begannen die Kirchen vielerorts, eigene Hilfstelefone einzurichten. 1965 ging in Dortmund der erste Anruf bei der TelefonSeelsorge ein – der Beginn einer bis heute kontinuierlich wachsenden und sich weiterentwickelnden Einrichtung. Inzwischen ist der Kontakt nicht nur per Telefon, sondern auch per Chat und Mail möglich.