Quelle: Stephan Schütze

Resilienz der Demokratie stärken

20 Jahre Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus

„Zeichen setzen“ und „Gemeinsam die Widerstandsfähigkeit aller demokratischen Menschen stärken.“ Das waren im Jahr 2005 die Ziele der Gründerinnen und Gründer des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus.

„Das Thema haben wir uns nicht ausgesucht, das ist uns vor die Füße gefallen“, sagt Friedrich Stiller, Pfarrer und Leiter des Referats für Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund. Damals entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der rechtsextremen Szene. Ein Nazi erschoss drei Polizisten; der sogenannte NSU ermordete den Kioskbesitzer Mehmet Kubaşık, ein Rechtsradikaler schoss auf einen Ausländer im Supermarkt, es gab mehr und mehr öffentliche Provokationen und Aufmärsche. Später gewann „Die Rechte“ sogar einen Sitz im Rat der Stadt.

„Doch es gab ebenso den ‚Aufstand der Anständigen‘“, berichtet Stiller. Parteien, Gewerkschaften, Fachhochschule und die Kirchen schlossen sich zum Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus zusammen, der bis heute eine starke Kraft „aus der Mitte der Gesellschaft“ ist.

Fortan organisierte er Mahnwachen, Demonstrationen, Info- und Diskussionsveranstaltungen – alle mit großer Beteiligung der Bevölkerung.

„Als Kirche dabei zu sein, war für uns auch ein Stück Seelsorge an der Stadtgesellschaft“, meint Friedrich Stiller. 2012 gründete sich dann noch der Arbeitskreis „Christinnen und Christen gegen Rechtsextremismus“, der auch Mitglied im Dortmunder Arbeitskreis ist und darüber hinaus in der Bundesarbeitsgemeinschaft „Kirche und Rechts“. Motto: „Unser Kreuz hat keine Haken.“

Der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus ist bundesweit eines der dichtesten Netzwerke gegen Rechts. Inzwischen hat er 23 Mitgliedsorganisationen, unter ihnen neuerdings auch die Fanabteilung des BVB und die „Omas gegen rechts“. Seine engagierte, langjährige Arbeit ist ausgesprochen erfolgreich. „Das Zurückdrängen der Naziszene war eine Gemeinschaftsleistung des `Dortmunder Wirkungsdreiecks´ aus Stadt, Polizei und Zivilgesellschaft. Wir arbeiten hervorragend zusammen“, sagt Pfarrer Stiller, Mitbegründer und bis heute Co-Vorsitzender. „Auch in Zukunft bleiben wir wachsam. Denn mit dem Rechtspopulismus und der AfD ist eine ganz neue Bedrohung der Demokratie entstanden.“

Das 20-jährige Bestehen des Arbeitskreises wurde nun im Rathaus gefeiert, auch mit einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie wir die Demokratie zukunftsfest machen“. Im Rahmen dieser Feierstunde wurde auch eine Festschrift veröffentlicht, die eine Chronik der Arbeitskreis-Geschichte und aktuelle Einschätzungen enthält.  

Nach neuen Erkenntnissen gewinnt die rechtsextreme Szene in NRW aktuell verstärkt Jugendliche und junge Erwachsene. Der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus wird das weiterhin genau beobachten und entschlossen gegen Rechtsextremismus in Dortmund vorgehen.