Spendobel tagt zum 25. Mal 

07.09.2026

Spendenparlament setzt Zeichen für die Zukunft

Wer am 2. September das Rathaus betrat, sah sofort das große Spendobel-Banner über der Empore. Das Dortmunder Spendenparlament traf sich hier am Abend zu seiner jährlichen Sitzung, um zehn soziale Projekte auszuwählen, die ein Jahr lang im Fokus der Spendenkampagnen stehen sollen.

Doch wer eine trockene Veranstaltung erwartete, lag falsch. Von einer bloßen Abstimmung konnte keine Rede sein. An den 14 Ständen der Projektbewerber*innen wurde vor Beginn der Sitzung lebhaft diskutiert, erklärt und gelacht. Die Spendobel-Mitglieder ließen sich Konzepte erläutern, stellten kritische Fragen und knüpften fast beiläufig neue Kontakte.

Würdigung des Engagements und Appell für Solidarität

Punkt 19 Uhr eröffnete Spendobel-Präsidentin Christiane Wurst die Sitzung. Bürgermeister Norbert Schilff würdigte in seinem Grußwort das Engagement der Initiative, die allein in den letzten zehn Jahren rund eine Million Euro für soziale Projekte gesammelt hat. Er betonte, wie unverzichtbar der Einsatz der Ehrenamtlichen für den Zusammenhalt in Dortmund sei. Applaus.

Auch Gastreferent Prof. Dr. Dierk Borstel erhielt anhaltenden Beifall. In seinem Impulsvortrag zeigte er, wie anspruchsvoll es ist, soziale Gerechtigkeit zu fördern. Trocken war sein Vortrag nicht: Pointiert, provokativ und mit Humor machte er klar, dass eine gerechte Gesellschaft nicht allein durch staatliches Handeln entsteht. Mit einem eindringlichen Appell schloss er: „Demokratie lebt davon, dass Menschen Verantwortung für andere übernehmen.“ Spenden seien ein Ausdruck dieser Haltung und ein wichtiger Beitrag für jene, die Unterstützung dringend brauchen. Viele im Saal nickten zustimmend.

Zehn Projekte für das Förderjahr ausgewählt

Beeindruckend war auch die zweiminütige Vorstellung der Projektanträge. Die 14 Verantwortlichen präsentierten ihre Anliegen präzise, anschaulich und emotional. Am Ende des Abends standen die Entscheidungen fest: Zehn Dortmunder Projekte werden ein Jahr lang im Mittelpunkt der Spendobel-Spendenwerbung stehen. Die ausgewählten Projekte werden in den kommenden Wochen auf www.spendobel.de veröffentlicht. Dort können Interessierte direkt für ein Projekt ihrer Wahl spenden.

25 Jahre Spendobel: Vom Kirchenprojekt zur festen Größe

Doch der Abend bot mehr als einen Ausblick auf die Förderarbeit des nächsten Jahres. Er markierte auch einen Meilenstein: Spendobel feiert sein 25-jähriges Bestehen. 2001 von der Evangelischen Kirche Dortmund gegründet, hat sich das Spendenparlament zu einer festen Größe in der Stadt entwickelt.

Superintendentin Heike Proske dankte allen, die Spendobel in den vergangenen Jahren unterstützt und geprägt haben. Nächstenliebe und Solidarität seien für die Evangelische Kirche keine abstrakten Begriffe, sondern ein konkreter Auftrag. Diesem Auftrag habe sich die Kirche als Trägerin von Spendobel verpflichtet und werde ihr Engagement in neuer Struktur fortsetzen.

Neuer Verein soll Zukunft von Spendobel sichern

Mit dem Jubiläum beginnt ein neues Kapitel. Präsidiumsmitglieder Roland Bracht und Bernd Ewers erläuterten die Neuerung: Spendobel hat sich in diesem Jahr als gemeinnütziger Verein gegründet und stellt sich ab dem 1. Januar 2027 breiter auf. Für die Mitglieder, die geförderten Projekte und die praktische Arbeit ändert sich nichts, betonten sie. Die neue Struktur soll das Erfolgsmodell für die Zukunft stärken. Wichtigste Botschaft: Auch künftig fließen alle Spenden zu 100 Prozent an die Projekte.

Zum Abschluss, gegen 21.15 Uhr, nahmen Parlamentarierinnen und Projektvertreterinnen die Spendobel-Idee mit hinaus in die Stadt – auf Stofftaschen gedruckt, mit der Botschaft: „Ich fühl’ mich heute so spendobel.“