Interreligiöse Stadtrundfahrt zu drei unterschiedlichen Moscheegemeinden. Im Mittelpunkt standen Begegnungen, Fragen und persönliche Gespräche.
Strahlender Sonnenschein, ein voll besetzter Bus und eine lange Warteliste: Das Interesse an der ersten interreligiösen Stadtrundfahrt des Christlich-Islamischen Dialogforums Dortmund war groß. Knapp 50 Menschen machen sich am Tag der offenen Moschee auf den Weg zu drei sehr unterschiedlichen Moscheegemeinden in Dortmund. Mit den Interessierten von der Warteliste hätten die Veranstalter sogar einen zweiten Bus füllen können.
Dass die Tour am 3. Oktober stattfindet, ist kein Zufall. Der Tag der offenen Moschee wird bundesweit seit 1997 am Tag der Deutschen Einheit begangen. Er soll Begegnungen fördern und deutlich machen, dass Muslime selbstverständlich Teil dieser Gesellschaft sind.
Für Pfarrer Friedrich Stiller vom Evangelischen Kirchenkreis ist die Stadtrundfahrt vor allem eine Einladung, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Christlich-Islamische Dialogforum, das in Dortmund seit 30 Jahren besteht, habe sich das Ziel gesetzt, „Unterschiede wahrzunehmen und Gemeinsamkeiten zu entdecken“, sagt er zur Begrüßung im Schatten der Reinoldikirche. „Menschen muslimischen Glaubens leben schon seit 50 Jahren in unserer Stadt. Durch Globalisierung und die Fluchtbewegungen sind wir näher zusammengerückt.“
Die erste Station führt zur DITIB-Zentralmoschee an der Kielstraße. Viele Teilnehmende betreten hier zum ersten Mal eine Moschee. Schuhe ausziehen, den Gebetsraum betreten, Fragen stellen: Berührungsängste sind schnell überwunden. Imam Rasül Karaeli erläutert die Einrichtung der Moschee, die Gebetsrichtung nach Mekka und die Bedeutung einzelner Elemente. Das Gebäude selbst erzählt ein Stück Dortmunder Geschichte: Es war einst ein evangelisches Gemeindehaus und wird seit 40 Jahren von der muslimischen Gemeinde genutzt.
Weiter geht es zur Abu-Bakr-Moschee, einer klassischen Hinterhofmoschee. Ahmad Aweimer vom Rat der muslimischen Gemeinden schildert, wie stark sich die Gemeinde in den vergangenen Jahren verändert hat. „Vor 20 Jahren waren wir ein winziger Verein. Heute kommen zum normalen Freitagsgebet im Schnitt 500 Menschen, an Feiertagen auch mehr als 1000 aus 50 Nationen.“
Die Zahlen zeigen, wie vielfältig muslimisches Leben in Dortmund geworden ist. Mehr als 50.000 Muslime leben in der Stadt, verteilt auf 45 Moscheen. „Die Veränderung seit 2015 ist dabei auffällig“, erklärte die Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Naciye Kamcili-Yildiz. Die Zusammensetzung muslimischer Gemeinden habe sich deutlich verändert – waren es früher überwiegend Muslime mit türkischen Wurzeln, so ist die muslimische Welt nun vielfältiger und bunter geworden. Viele Muslim*innen sind aber auch säkular ausgerichtet und nehmen am Leben der Moscheevereine wenig teil.
Zum Abschluss erreicht die Gruppe die Meryem-Moschee in Lindenhorst. Bei Lahmacun und Tee kommen Gäste und Gemeindemitglieder ins Gespräch. Gerade hier wird deutlich, welchen Wert Begegnung haben kann. Der Neubau der Moschee mit Kuppel und Minarett war einst umstritten. Gespräche am Runden Tisch, initiiert von Pfarrer Stiller, halfen dabei, Vorbehalte abzubauen und gute Beziehungen in der Nachbarschaft aufzubauen.
Die Stadtrundfahrt macht sichtbar, was das Christlich-Islamische Dialogforum auch sonst praktiziert: Türen öffnen, Fragen zulassen, miteinander reden. Oder, wie viele Teilnehmende an diesem Nachmittag feststellen: Kennenlernen hilft. Und manchmal beginnt Verständigung schon damit, die Schuhe auszuziehen und einzutreten.
Das Christlich-islamische Dialogforum wird getragen vom Evangelischen Kirchenkreis – Referat für Gesellschaftliche Verantwortung und Evangelisches Bildungswerk – sowie vom Rat der muslimischen Gemeinden Dortmund und der Islamischen Akademie NRW.
- Mehr Informationen unter
www.dialogforum-dortmund.de.
Bild: Nicole Schneidmüller-Gaiser
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