Erstmals gemeinsames Fastenbrechen des Christlich-Islamischen Dialogforums in einer Moschee –ein Zeichen des Dialogs
Um 18.34 Uhr ist es so weit. Ein muslimisches Gebet, ein Moment der Stille, dann greifen die ersten nach den Datteln und trinken einen Schluck Wasser. Das gemeinsame Essen beginnt, Gespräche werden laut, Lachen mischt sich unter das Stimmengewirr.
Mit 50 Personen gut besucht war das erste gemeinsame Fastenbrechen, zu dem das Christlich-Islamische Dialogforum mit der Abu-Bakr-Moschee in der Nordstadt Mitte März eingeladen hatte. Der Vorsitzende des kleinen Moscheevereins, Issam Bachiri, betonte, dass ihm die Gastfreundschaft eine Herzensangelegenheit sei.
Pfarrer Friedrich Stiller, Sprecher der Dialoginitiative, begrüßte die Anwesenden mit Blick auf die Weltlage mit dem Satz: „Ohne Dialog kein Frieden zwischen den Religionen, ohne Frieden zwischen den Religionen kein Frieden zwischen den Nationen.“
Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum betonte in ihrem Grußwort, die Nordstadt sei schon immer ein Ort der Vielfalt gewesen, ein gemeinsames Essen passe da sehr gut hinein und stärke den Zusammenhalt.
Michael Stache, stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises, erläuterte die biblische Fastentradition, bei der der Verzicht aufs Essen mit dem Gedanken der sozialen Verantwortung verbunden werde.
Die Grundgedanken des Ramadans legte Ahmad Aweimer dar, Vorsitzender des Rates der muslimischen Gemeinden und auch Mitglied der Dialoginitiative. Dann sprach er die Gebete zum Fastenbrechen, wobei er auch um Frieden und Dialog bat. Vorher bedankte er sich noch bei den Kirchen für ihren Brief zum Ramadan, den sie wie jedes Jahr an die muslimischen Gemeinden gerichtet hatten.
Ungewöhnlich viele Vertreter*innen unterschiedlicher Moscheegemeinden waren anwesend: bengalische, afrikanische, bosnische und albanische sowie von Milli Görus und DITIB. Unter den Gästen auch der Präsident der Auslandsgesellschaft Klaus Wegener, Ali Tasbas für die Islamische Akademie und ein Vertreter des Zentralrats der Muslime in Deutschland.
„Das Fastenbrechen ist für uns ein Moment der Dankbarkeit und der Gemeinschaft“, erklärte eine Teilnehmerin. „Dass wir diesen Moment mit Menschen anderer Glaubensrichtungen teilen können, macht ihn noch wertvoller.“
Als der Abend fortschreitet, leeren sich langsam die Teller. Einige Gäste helfen beim Abräumen, andere bleiben noch sitzen, vertieft in Gespräche. Die Atmosphäre ist gelöst, fast familiär. Es ist spürbar, dass hier etwas entstanden ist, das über den Moment hinaus wirkt.
Das Christlich-Islamische Dialogforum wird getragen von der Evangelischen Kirche und dem Rat der muslimischen Gemeinden, dem Evangelischen Bildungswerk und der Islamischen Akademie NRW.
Die nächste Veranstaltung findet statt am Mittwoch, 29. April 2026, von 19 bis 21 Uhr als Zoomkonferenz. Dr. Jörn Thielmann vom Forschungszentrum Islam und Recht an der Universität Erlangen-Nürnberg berichtet über muslimische Freitagspredigten in Deutschland. Anmeldung erforderlich unter rgv@ekkdo.de.
Bild: Matthias Dudde