24.11.2022

111 Jahre „geballte Frauenpower“

Synodalverband der Frauenhilfe Dortmund – Lünen – Selm feiert Jubiläum

Bevor der Synodalverband der Frauenhilfe Dortmund – Lünen – Selm am 11.11. ab 11.11 Uhr im Großen Saal des Reinoldinums nicht, wie man vermuten könnte, die karnevalistische Session, sondern mit den „Pottrosen“ das Fest zu seinem 111-jährigen Bestehen eröffnete, hatte die Vorsitzende Maike Brodde das Wort. Sie erinnerte an die Frauen, die in der Vergangenheit mit ihrem starken Durchsetzungsvermögen die Arbeit der Frauenhilfen über einen so langen Zeitraum möglich gemacht haben.

Gleichzeitig dankte sie den anwesenden aktiven Mitgliedern für ihr Engagement. In all den Jahren sei man durch Höhen und Tiefen gegangen. „Danke, dass es Sie gibt“, sagte Bürgermeisterin Ute Mais in ihrem Grußwort an die „geballte Frauenpower“ im Saal. Sie wünschte dem Synodalverband für die Zukunft „Mut und Kraft“, um auch weiterhin als „Säulen der Gesellschaft“ wirken zu können.

Nachdem die „Pottrosen“ mit ihrem Programm „Oben Gott unten Pott“ die Jubiläumsgäste unterhalten hatten – O-Ton: „Wir erzählen die Wahrheit über den Pott“ – stärkten sich die Anwesenden mit einem Mittagessen für den Nachmittag. Dann standen weitere Grußworte auf dem Programm, darunter eines von Leonie Grüning, der ständig stellvertretenden Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund.

Mit einem Gottesdienst, Kaffeetrinken und dem Abschlusssegen endete der Tag.

Glaube, Bildung – und natürlich Kaffee und Kuchen

111 Jahre Synodalverband der Frauenhilfe: 2000 Frauen im Dienst füreinander und für andere

Ingrid Behrendt (im Gruppenbild in der Mitte) ist die stellvertretende Vorsitzende des Synodalverbandes der Frauenhilfe Dortmund – Lünen – Selm. Das Gespräch mit ihr führte Christiane Keitel

Frau Behrendt, wie lange sind Sie in der Frauenhilfe aktiv?

Ich bin seit 1994 Mitglied der Frauenhilfe und seit 2013 Bezirksfrau in der Frauenhilfe in Dortmund- Asseln. 2012 machte ich eine Fortbildung im Rahmen der Frauenhilfe in drei Modulen unter dem Thema „Leitung von Frauengruppen“.

Da der Landesverband der Frauenhilfe mit Sitz in Soest eine Aktion startete „Werbebotschafterinnen der Frauenhilfen“ und dazu einige Workshops anbot, wurde ich vom Synodalverband Dortmund für diese Aufgabe auserkoren und gehörte somit zunächst als Mitglied ohne Stimmrecht zum Synodalverband der Frauenhilfe Dortmund - Lünen - Selm.

Wie sind die Frauenhilfen strukturiert?

Der Landesverband der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. hat seinen Sitz in Soest. Darunter stehen die örtlichen Synodalverbände, die je nach Stadt auch Bezirks- oder Stadtverband genannt werden. Darunter stehen die einzelnen Frauenhilfegruppen in den jeweiligen Kirchengemeinden.

Wie viele Frauenhilfen gibt es im Synodalverband der Frauenhilfe Dortmund - Lünen - Selm?

Der Synodalverband der Frauenhilfe Dortmund - Lünen - Selm besteht derzeit aus 41 Frauenhilfen mit etwa 2000 Mitgliedern.

Wie ist ein Frauenhilfenachmittag aufgebaut?

Der Ablauf eines Frauenhilfenachmittages besteht aus einem Andachtsteil und einem Bildungsauftrag. Kaffee und Kuchen dürfen dabei nicht fehlen.

Arbeiten Sie ehrenamtlich?

Die Arbeit im Synodalvorstand wurde von einer hauptamtlichen Leitung und einer zusätzlichen Bürokraft geleistet. Leider ist das seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Die gesamten Aufgaben des Synodalverbandes obliegen ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen. Das grenzt natürlich die Arbeit zwingend ein. Aus diesem Grunde freuen wir uns immer über weitere Frauen, die Freude und Spaß an der Frauenarbeit haben und bei der auch spannenden Arbeit mitwirken möchten.

Womit wir bei der Frage des Nachwuchses wären?

Grundsätzlich stehen unsere Angebote allen interessierten Frauen offen. Eine Mitgliedschaft ist allerdings auch wichtig, da dadurch auch eine Unterstützung des Landesverbandes der Ev. Frauenhilfen in Westfalen e.V. gewährleistet wird. Dazu zählen drei Alten- und Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Werdohl, Tagesstätte und ambulant betreutes Wohnen und das Frauenheim in Wengern, Prostituierten und Ausstiegsberatungsstellen Theodora für Ostwestfalen-Lippe und Tamara für Südwestfalen und das Münsterland. Die Allgemeine Frauenberatungsstelle im Kreis Soest und das Frauenhaus in Soest.

Welche Angebote hält der Synodalverband für die Frauenhilfegruppen in den einzelnen Gemeinden bereit?

Im Januar findet in einer der Gemeinden der Jahresauftakt mit einem Gottesdienst und Informationen über das neue Jahr statt. Ehrungen und Begrüßung neuer Frauen finden hier ihren Platz. Kaffee und Kuchen stehen bereit.

Eine wichtige Aufgabe ist auch der Weltgebetstag, der in vielen Gemeinden von den Frauenhilfefrauen gestaltet wird.

Einmal im Jahr findet die Jahresthematagung zu einem aktuellen Thema über vier Tage statt. 2023 werden wir dazu in der Bildungsstätte in Soest sein. Die Frauen der einzelnen Gemeindegruppen erfahren dort Anregungen für ihre Arbeit vor Ort.

Einmal im Jahr machen wir einen Ausflug. Zuletzt besuchten wir die Schlösser des Münsterlandes.

Vielen Dank für das Gespräch und für die Zukunft viel Erfolg.

Grußwort der Ständig Stellvertretenden Superintendentin Leonie Grüning

„Liebe Frauenhilfe,

ich gratuliere von allen hier in Dortmund und von Herzen zum Jubiläum. 111 Jahre, das ist ja schon was. Viel hat der Synodalverband und damit auch „die“ Frauenhilfe in Dortmund erlebt. 

Ich habe mal nachgerechnet: Als sich die ersten Frauen in einem Verband hier in Dortmund organisiert haben, gab es noch kein Wahlrecht für Frauen. Es waren ganz andere Zeiten und vieles hat sich geändert – immer wieder und immer wieder hatten die Gruppen der Frauenhilfe daran Anteil. Weil sie den Mund aufgemacht und die Stimme erhoben haben. Vielleicht nicht so laut wie andere, aber eben immer wieder und vor allen Dingen an so vielen Orten. 

Wie viele Frauen über hundert Jahre in den Gruppen eine Heimat gefunden haben, nicht nur Gemeinschaft und Spiritualität, sondern auch einen Ort für ihre Gedanken und Empfindungen, für ihre Sicht der Welt, das ist schon wirklich beeindruckend. 

111 Jahre. Ich habe in einem Band über die Frauenhilfen im Ruhrgebiet ein Foto aus den 50er Jahren gefunden, auf dem Frauen Pakete packten für die „Ostzone“. Zum Wesen der Frauenhilfe zählte es eben nicht nur, den Mund aufzumachen und den Frauen eine Stimme zu geben, sondern immer auch, sich tatkräftig einzusetzen – Frauenhilfe eben. Das machte und macht immer noch glaubwürdig.

Die Jahreslosung für das kommenden Jahr 2023 lautet so wie das Motto des Kirchentages 2017: Du siehst mich. Ein Vers von einer Frau gesagt über Gott. Ein Bekenntnis. In dem Mottolied dazu heißt es. „Du bist ein Gott, der mich anschaut, du bist die Liebe, die Würde gibt!“. 

Sehen und gesehen werden spielt bei jeder Frauenhilfe eine große Rolle und das ist gut so, Wenn ich gesehen werden, wahrgenommen werde mit all dem, was zu mir gehört, kann ich sehen und wahrnehmen und Frauenhilfe sein. Das gilt für mich in Gruppen und das gilt für meine Beziehung zu Gott. Für beides ist die Frauenhilfe lebendiges Zeugnis – hier seit 111 Jahren.“

Foto: Stephan Schütze
Powerrose Paula und Singrose Pia, besser bekannt als „Pottrosen“, gratulierten der „geballten Frauenpower“, und erzählten in ihrem Programm „die Wahrheit über den Pott“.
Foto: Stephan Schütze