31.03.2023

Sechstes Kirchenasyl im Ev. Kirchenkreis Dortmund

Zwei Frauen aus Guinea zum Schutz in Kirchengemeinde aufgenommen

Seit Dienstag dieser Woche gewährt eine weitere Kirchengemeinde im Kirchenkreis Dortmund-Lünen-Selm zwei geflüchteten Frauen aus Guinea auf ihre Bitte hin Kirchenasyl. Es geht um eine Mutter und ihre minderjährige jugendliche Tochter, denen Abschiebung nach Spanien als sog. „Dublinland“ droht, die jetzt in eine Lüner Kirchengemeinde aufgenommen wurden. Die beiden wurden schon einmal abgeschoben, dann aber vom spanischen Staat nicht untergebracht und nicht versorgt, woraufhin sie ratlos wieder nach Deutschland zurückkehrten und sich hilfesuchend an die Kirche wandten. Kirchenkreis und Kirchengemeinde, die den Fall gemeinsam mit der Beratungsstelle der Diakonie intensiv beraten haben, wollen nun eine zweite Rückführung verhindern, auch weil eine der beiden Frauen körperbehindert ist und also eine vulnerable Person.

Pfarrer Friedrich Stiller, der kreiskirchliche Beauftragte für Flüchtlinge, der die Erstberatung für Kirchenasyl im Kirchenkreis macht und auch diesen Fall intensiv begleitet, macht darauf aufmerksam, dass die Evangelische Kirche nicht leichtfertig Kirchenasyl gewährt. „Es muss immer ein individueller humanitärer Härtefall vorliegen, bei dem Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit der betroffenen Person drohen oder eine unmenschliche und menschenunwürdige Behandlung.“

Das zuständige  Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Lüner Ausländerbehörde wurden vorab informiert, denn ein Kirchenasyl, so die Kirchenvertreter, sei kein Verstecken von Flüchtlingen und beanspruche keinen rechtsfreien Raum. Gemeinden, die ein Asyl gewähren,  träten vielmehr zwischen Behörden und Flüchtlinge, um eine Zeit des Nachdenkens zu ermöglichen, in der der Staat den Einzelfall erneut prüft. Auch die Evangelische Landeskirche von Westfalen ist eingeschaltet. 

In den vergangenen Jahren gab es im Kirchenkreis Dortmund-Lünen-Selm etwa 250 Kirchenasyl- Anfragen, weiß Stiller zu berichten. Zuletzt sei die Zahl der Anfragen nach der Pandemie sehr stark angestiegen. Es wurden aber bisher im Kirchenkreis nur fünf Kirchenasyle durchgeführt, weil den Geflüchteten oft auf andere Weise geholfen werden konnte, zum Beispiel durch Rechtsberatung oder eine Petition an den Landtag. Aktuell gibt es im Kirchenkreis noch ein seit 2022 laufendes Kirchenasyl in einer Lüner Kirchengemeinde. Bundesweit gibt es nach Auskunft des Netzwerks Asyl in der Kirche derzeit etwa 314 Kirchenasyle mit knapp 500 Personen.

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Symbolbild/Archiv/EKD-Themenjahr Reformation und Politik. Foto: ekd.de